Bruno, Fotograf aus der Böckhstr. 25

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Ein Rückblick in den Graefekiez der 20er Jahre, in die Böckhstrasse. An der Nummer 25 hatte Bruno Scheufelein sein „Atelier für Innenaufnahmen“. So nannten sich die ersten Fotografen Berlins. Scheufelein spezialisierte sich auf Schulklassen und Fotomontagen. Diese visuelle Rarität wurde von Astrid Kuckartz entdeckt, die auf ihrem Blog S59berlin über die Geschichte des Graefekiez schreibt.

Das Foto wirkt zwar alt, aber eigentlich hat es viel von der heutigen Zeit. Denn auch damals eroberte ein neues Medium die Welt, um sie rasant zu verändern. Fotografie war in den 10er und 20er Jahren schon ein paar Jahrzehnte alt, aber dass man sich als Fotograf selbständig machte, das war selten. Ein paar Hundert mutige waren es damals, Bruno Scheufelein gehörte dazu. Ein Pionier, der sich anschickte, von der Fotografie zu leben. Und offensichtlich ging sein Geschäft gut. 1910 war sein erstes Atelier in seiner Wohnung in der Gneisenaustr. 24. Zwei Jahre später zog er in der Fidicinstraße in ein Haus mit Garten, 1920 in die Böckhstraße, wie die Signatur auf seinen Fotos zeigt.

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Über sein Leben weiß man nicht viel, nur dass er vor der Fotografie als Elektrotechniker und Mechaniker arbeitete. Wie echte Berliner hatte er mehrere Berufe, war risikofreudig und hatte ein Hang zum Kreativen. Zusätzlich hatte er auf jeden Fall Geschäftssinn: Er entdeckte schnell Schulen als Markt, nach der Anzahl von Schulklassenfotos in seinem Nachlass zu urteilen. Und im Sommer ging er an die Ostsee, wo er lustige Fotomontagen machte, siehe oben. Neue Medien verleiten zu Spielereien, heute verschickt man Smileys und mit Anwendungen wie Snapchat und Co. zaubert man Tiergesichter auf Antlitze von Bekannten, oder lässt Regenbögen aus ihren Mündern fließen, Fortschritt ist eben unaufhaltsam. Anstatt von Smileys malte man damals Flugzeuge, setzte Familien dahinter und fand das nicht nur modern, sondern auch sehr komisch.

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Schon damals war man in Neukölln sehr kreativ, wie dieses ungewöhnlich inszenierte Schulklassenfoto einer Neuköllner Mädchenschule zeigt.

Fotografie und Film waren das Internet und die Smartphones, der 20er Jahre.  Die Fotos stammen alle aus dem Archiv von Leo Auerswald, entdeckt wurde Bruno Scheufelein von Astrid Kuckartz, die eine Webseite über die Kiez-Geschichte betreibt, S59berlin.wordpress.com. Eine richtige Fundgrube für alle die, die an der Vergangenheit des Graefekiezes interessiert sind. Wir hoffen Frau Kuckartz in einem kommenden Newsletter vorstellen zu können.

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Die Jungs waren offensichtlich nicht so spielerisch, hatten aber offensichtlich ein Faible für Matrosenkleidung.

 

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Die schöne Signatur des Fotografen Bruno Scheufelein.


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