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Der (Bildungs)Baum schlägt Wurzeln

Über 20 Leute kamen zum Startworkshop des Bildungsbaums Anfang Oktober, bei dem Ideen um den Kiez zu verändern gesammelt wurden. Die langjährige Bewohnerin der Siedlung, Petra Reys, eine der Moderator*innen, erzählt von den Ergebnissen und warum sie sich für die Siedlung engagiert. Und was Sticken, Stricken und Weben mit dem Aufbau von Gemeinwesen zu tun hat.

«Du kannst den Kiez verändern» war das Motto des Bildungsbaum-Workshops im GraefeKids und erfreulicherweise erschienen auch viele neue Gesichter. Bewohner sollten nicht nur Ideen zu den Themen Dütti-Café, Kochaktion, Handwerk-Arbeiten, Geld und Organisation vorschlagen, sondern diese mit Hilfe anderer auch umsetzen. Eine Mischung zwischen Brainstorming, Ideenbörse und Mitstreitersuche. Die Ergebnisse werden in den kommenden Wochen und Monaten umgesetzt, wer bei einer der o.g. helfen will, oder eigene Ideen für den Kiez hat, kann jederzeit zum Treffen des Bildungsbaums kommen. Sie finden jeden 2. und 4. Montag in der Dütti-Werkstatt am Werner-Düttmann-Platz (Urbanstraße 48 f) ab 18.30 Uhr statt. Die nächste offene Sitzung ist am 14. November.

 

Über die Ausbeute an Ideen war Petra Reys zufrieden, vor allen Dingen auch über die neuen Bewohner, die sich für den Kiez engagieren wollen. Eine Frage zu dem Motto: Muss denn der Kiez verändert werden? «Ich lebe seit 1999 hier und das sehr gerne. Ich mag die vielen Kulturen und das Bunte. Aber sicherlich gibt es hier Herausforderungen und Spannungen. Und obwohl ich die Siedlung sehr mag hat sich dennoch die Frage einmal gestellt, ob ich gehe, oder ob ich bleibe. Bleiben bedeutete für mich, das zu anzugehen, was mir nicht gefiel.»

 

Und für Veränderung hat Petra Reys neben dem Engagement beim Nachbarschaftsverein Bildungsbaum e.V. ein weiteres, ungewöhnliches Mittel: Handarbeit. Jeden Freitagnachmittag von 14-17 Uhr kann man mit ihr in der Dütti-Werkstatt Stricken, Sticken, Nähen und Weben. Neugierigen zeigt sie wie es geht, es kommen aber auch handarbeitsaffine Bewohner und Nachbarn, die die Gesellschaft genießen. Unter den Besuchern sind viele Jugendliche, und erstaunlicherweise, viele Jungs. «Sie schätzen, dass sie etwas ganz Konkretes machen. Etwas Handfestes, Kreatives und Beruhigendes. Kein Videospiel, kein Wettbewerb wie beim Fußball, kein Herumspielen mit Handy.»  Gemeinsam länger an einer Sache zu arbeiten, auch wenn jeder seine eigene Handarbeit macht, sei für viele Jugendliche eine neue Erfahrung. «Das hat etwas verbindendes, dadurch entsteht Vertrautheit.» Es wird also auch im übertragenen Sinne an der Gemeinschaft gestrickt.

 

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Ins Leben rief die Handarbeitsnachmittage eine pensionierte Ärztin, die sich jahrelang für Kinder und Frauen in der Siedlung engagierte und jetzt nicht mehr in Berlin lebt. Seit ca. anderthalb Jahren macht Petra Reys die Nachmittage in Eigenregie. Sie hat natürlich Helferinnen, die sie unterstützen «Es stärkt nicht nur die Verbindungen zwischen Bewohnern, sondern auch innerhalb von Familien. Es gab Fälle in welchen Enkel sich auf eine ganz neue Art mit ihren Großeltern austauschen konnten, da diese auch Handarbeiten machten. »Wer jetzt neugierig auf die verbindende Wirkung von Handarbeit, oder einfach nur Lust zu Stricken, Sticken, Nähen oder Weben hat, kann einfach dazustoßen: Freitag ab 14 Uhr in die Dütti-Werkstatt.

 

 


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