Die Geburt des Dütti-Treffs

© Bianka Gericke

600 Gäste wollten es nicht entgehen lassen: Die Wiedereröffnung des Nachbarschaftstreffs im Quartiersmanagementgebiet Düttmann-Siedlung am 3.3.2017. So lebendig und facettenreich der Treff im Regelbetrieb ist, war auch die Einweihungsfeier: Bands, Büffet und Bauchtanz. Das gelungene Fest versammelte Bewohner*innen, Anrainer*innen und Verantwortliche. Der neue Name, Dütti-Treff und Dütti-Werkstatt, läutet ein neues Kapitel für die Räume ein.

Vergangenen Freitag wähnte man sich wie in einer Galerie. Die Ausstellung „Zu Hause – Fern der Heimat“ von Wolfgang Reiher, ein Fotograf aus dem Kiez, verlieh den schicken, hellen Räumlichkeiten den Akzent seiner vielfältigen Nachbarschaft. Eine große Menschenmenge bewegte sich angeregt plaudernd durch die Räume und machte sich das Umfeld zu Eigen. Nur war es viel entspannter als in einer Vernissage und mindestens doppelt so lustig, denn zahlreiche Kinder schwirrten umher, mehrere Bands und ein Bauchtänzer machten Programm. Nachbar*innen trafen sich wieder und lernten weitere  kennen. Man war neugierig auf das Ergebnis der intensiven Umbauarbeiten des Nachbarschaftstreffs, finanziert über den Baufonds der Sozialen Stadt. Wie sieht der bekannte Ort nach acht Monaten Arbeiten aus? Und die Gäste waren begeistert. Der alte Nachbarschaftstreff erinnerte an eine Amtsstube aus den 80er Jahren, der neue Dütti-Treff aber könnte auch der Sitz einer Kommunikationsagentur sein. Dezente Grauabstufungen an den Wänden, barrierefreie Toiletten, farblich verspielte Möbel, eine Küche wie aus einem Designkatalog und elegante Sitznischen in Rot. Wer sagt, dass soziale Arbeit den Klischees entsprechen muss?

© Bianka Gericke

Die Einweihung soll auch den Verantwortlichen des Umbaus würdigen. Das Team des Quartiersmanagements Düttmann-Siedlung bedankte sich bei dem Bauherrn Guido Baranowski, Eigentümervertreter und Geschäftsführer der vabene Hausverwaltung. Sie stellen seit Jahren die Räumlichkeiten für Dütti-Treff & Dütti-Werkstatt kostenfrei zur Verfügung und steuern 20 % der Umbaukosten bei. Ein Lob wurde gegenüber dem Architektenbüro Nailis ausgesprochen und gegenüber dem Verband  für Interkulturelle Arbeit e.V., der die Idee zu einem Nachbarschaftstreff seit Jahren umsetzt. Und nicht zuletzt Emine Yilmaz, die Leitung des Treffs, die in dreijähriger Arbeit durch ihr menschliches Können und Persönlichkeit wesentlich dazu beigetragen hat, ein Gemeinschaftsgefühl in der Nachbarschaft entstehen zu lassen. 600 Leute waren der Beweis.

© QM Düttmann-Siedlung

Das Fest war zu groß um in ein paar Bildern festgehalten zu werden. Im Hauptraum war der Bauchtänzer Sabuha das Highlight, umrahmt von Bands, flankiert von einem üppigen Büffet, mit einer noch üppigeren Menschentraube die geduldig Schlange stand. Das war der Hauptschauplatz. Einen Steinwurf entfernt wurden auch die zwei Räume des ehemaligen Kindertreffs, seit vergangenem Freitag Dütti-Werkstatt, mit Ausstellungen und noch einer Band bespielt. Das Kunstprojekt „Drei Wünsche frei“ von Cheb und Sharon verwandelte eigens dafür den Keller in ein wunderschönes Mädchenzimmer, Prinzessinnen-Steppdecke inklusive. Der obere Raum war ein kleines Kino für die Videos des Medienprojektes Graefe-Girls.

 

Die Stille eines Kinos wich aber schnell der Stimmung von Valentina Sajins Dütti-Band, eine junge Bewohnerin und Multitalent der Siedlung. Sie spielt Klavier, singt und macht Videos. Sie vereinte um sich einen Geflüchteten aus Syrien – am Cajon – und zwei Dozenten ihrer Ausbildungsstätte – an der Gitarre und am Bass. Die Cover-Versionen auf Englisch und Serbisch entzückten, Eigenkompositionen sind bald zu erwarten. Der ca. 25 m² große Raum war randvoll mit Dütti-Groupies jeden Alters und Größe, die zum Abschluss alle gemeinsam Bella Ciao auf Deutsch sangen.

© QM Düttmann-Siedlung

Im Hauptraum waren zwar die Würdenträger schon zu anderen Verpflichtungen geeilt, aber die Nachbarn hielten die Stellung. Ein harter Kern bildete sich im Lauf der Zeit heraus, wie beim jedem guten Fest besetzte er die Küche bis gefühlt Mitternacht. Der Geburt des neuen Treffs nach zu urteilen wird er noch lebendiger als der Alte. Viel schöner ist er schon.

 

 

 


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