BERICHT: Herbstarbeiten in der Düttmann-Siedlung

Die Geheimnisse der Dütti-Gärten

Noch ist es Herbst, die Gärtner der Siedlung haben viel zu tun. Die 110 Bäume werfen jeder ca. eine Badewanne Blätter ab, von einer handvoll Gewächse fällt Obst, die Vögel bauen ihre Nester für den Winter. In einem Rundgang zeigt mir die Chef-Gärtnerin Bettina Heimweg die Natur der Siedlung, die man vor lauter Projekten und Bewohnerbeteiligung manchmal vergisst, und wie sie sich langsam auf den Winter vorbereitet. Und noch ein paar Geheimnisse. Die gibt es vielleicht hier.

Zu Anfang ein kleines gemeines Quiz, an alle die in der Siedlung wohnen, oder dort arbeiten: 1. Was ist die häufigste Baumart? 2. Wieviel Bäume gibt es? 3. Und was ist die Hauptstrauchart? 4. Wieviel Fruchtbaumarten gibt es? 5. Und wieviel Vogelarten leben hier? Ich ahne Eure Antworten und bin sehr enttäuscht. Interessiert Ihr Euch denn überhaupt nicht für Eure Umwelt? Dieser Artikel ist eine kleine Schummelhilfe, all die Fragen werden beantwortet…

Bettina Heimweg und ich waren natürlich am Werner-Düttmann Platz verabredet, vor einer Handvoll Wochen noch mit etwas Laub bedeckt. Von dort sieht man gut in die beiden Hauptalleen, beide leicht gebogen. Dieser Krümmung ist es zu verdanken, so Bettina Heimweg, dass die starken Herbststürme kaum Schaden anrichteten. Der geschwächte Wind konnte so kaum die Platanen greifen, die häufigste Baumart der Siedlung mit ca. 60 Exemplaren (Antwort 1).

Der windschützende Knick der Alleen der Siedlung.

 Heimweg drückt mir ein Papier in die Hand, auf dem sie die Bäume und Pflanzen aufgelistet hat. An die 20 Arten sehe ich dort. Erstaunlich vielfältig für eine so zentrale Stadtlage meine ich, als Laie. Heimweg erinnert mich, dass die Grünflächen von Anfang an mitgeplant wurden und dass ein guter Teil davon Privatgärten sind. Das fördert Vielfalt. Denn in der Siedlung gibt es sogar Pflanzen, die in keiner Enzyklopädie zu finden sind. Im ersten Hof den wir besuchen deutet die Gärtnerin der Siedlung auf blaue Sonnenblumen in einem Privatgarten. “Einige Bewohner haben die Lösung gefunden: Plastikblumen verursachen fast keine Arbeit. Nur manchmal entwickelt sich die Farbe unerwartet.”

Blaue Sonnenblumen müssen kein Traum sein.

Genausowenig wie ewig blühende Rosen.

In diesem Hof gibt es einen der seltenen Fruchtbäume auf einer Gemeinschaftsfläche, ein Walnussbaum. Direkt neben einer gefühlten Rotbuche, aber ich kann irren, die viel länger als ihre Kollegen ihre Blätter behält.

Erstens sei das bei jeder Art verschieden, zweitens verlangsame die Nähe von geheizten Gebäuden den Blattverlust. Auf den Weg in den Herbst bleibt der Boden noch lange nach Nachlassen der Temperaturen warm. Erst nach den ersten Frostnächten, die in den kommenden Tagen zu erwarten sind, kühlt der Grund schlagartig aus. Umgekehrt ist es im Frühling: der fängt erst richtig an, wenn es keine Nachfröste mehr gibt. Heimweg zeigt mir noch ein Abrikosenbaum in diesem Hof, bevor wir zum Spielplatz gehen.

Auf dem Weg dort hin bleiben wir bei einem weiteren Fruchtbaum stehen, der als einzigen Nachteil hat, nichtschmeckende Früchte zu tragen meint die Gärtnerin. Dafür sind sie schön rot. Wir probieren diese aber gewissenhaft. Wir stellen fest: Auch dieses Jahr ist der Geschmack undefinierbar, mit einer leicht mehligen Note.  

Wenige Schritte weiter steht der absolute Champion, ein fünf bis sechsjähriger Baum – ein Teenager in pflanzlicher Zeitrechnung. So wie Menschen in diesem Alter vor Energie strotzen, tut es auch dieser Baum. Während andere spärliche Mengen produzieren, hängen raue Mengen von einer schotenartigen, braunen Frucht an den Ästen der Gleditschie, auch Lederhülsenbaum, oder Johannisbrotbaum genannt.

Während Heimweg die Hülsen öffnet, erklärt sie, dass der Standort dieses Baumes gemeinsam mit der Verantwortlichen um Grünflächenamt des Bezirks ausgesucht wurde. Was mich aber stutzig macht, ist dass ich an diesem Tag erfahre, dass Bäume die zwei Geschlechter in sich vereinen. In einem Zyklus von zwei bis drei Wochen sind sie mal männlich, mal weiblich. In der einen Phase bestäuben sie, in der anderen tragen sie Früchte. Dieser Wechsel hat den Vorteil, dass einzelstehende Bäume sich selber bestäuben können. Was wohl die Dame des Bezirksamtes dazu sagt? Zum Glück erfahre ich, dass es auch anständige Bäume gibt, wie Tannen. Die bestäuben sich gegenseitig.

Der Zeit für eine statistisch aussage-kräftige Information ist gekommen. Ich frage, wieviel Bäume es eigentlich in der Siedlung gibt? 110 antwortet Heimweg (Antwort 2). Das bedeutet für mich eine wertvolle, belastbare Erkenntnis: In der Werner-Düttmann-Siedlung gibt es 29 Bäume pro Einwohner. Und sechs Fruchtbaumarten, abgesehen von der Gleditschie (Antwort 4).

Wir wandern zur dritten Station unseres Spaziergangs, der Hof der seit kurzem den Bio-Garten beherbergt. Im Vorbeigehen deutet sie auf die Hecken, die eher im Frühling und Sommer arbeit verursachen. Im Herbst reicht ein kleiner Nachschnitt des Spierstrauches, die häufigste Heckenart (Antwort 3), bevor sie den Winterschlaf antreten. Feuerdorn und Hainbuche sind an zweiter und dritter Stelle. Heimweg zeigt mir in der Krone eines Baumes ein großes Nest. Dort wohnt eine Krähe, da sie in der Rangordnung der Stadtvögel ganz oben stehen, brauchen sie sich nicht zu verstecken.

Wir gehen zurück zur Allee in der unser Spaziergang begann. Sie zeigt auf das Eckhaus, auf Höhe des dritten Stocks. Dort prangt ein Faustgrosses Loch in der Fassade, genau an der Ecke. “Spechte sind die größten Nutznießer der energetischen Sanierungswelle. Sie lieben es sich ein Nest im Styropor zu bauen.” Keine dumme Idee. Warm ist es ganz sicher. Und es ist sicherlich weniger Arbeit, als einen Baum mit dem Schnabel aufzubohren. Bemerkenswert: die Neste zeigen systematisch nach Osten. Wohnungsprobleme scheint es bei den Spechten nicht zu geben: sie bleiben nie sehr lange im selben Nest. Sie bauen sich ein Neues und überlassen das Alte anderen Vögelarten.

Was mich eigentlich zu der letzten Frage des Quizs führt: Wieviel Vögelarten es in der Siedlung gibt? Das war eine Fangfrage. Die Antwort kann nur in einem Artikel gegeben werden, der in einem der nächsten Newsletter erscheinen wird.

In diesen Löchern wohnen gefürchtete Mietnomaden: Die Familie Specht.

 

BezeichnungDeutscher NameLateinischer Name
HauptbaumartPlatanePlatanus acerifola
HauptstrauchartSpierstrauchSpiraea vanhouttei
HeckenHainbuchePyracantha coccinea
HainbucheCarpinus betulus
FruchtbäumeWalnussJuglans regia
PflaumePrunus domestica
FelsenbirneAmelanchier lamarckii
MirabellenPrunus domestica subspecies syriaca
FeigeFicus carica
ApfelbaumMalus x species
WeintraubenVitis vinifera
Bäume mit ausgeprägter HerbstfärbungWeinParthenocissus
FelsenbirneAmelanchier lamarckii
SpitzahornAcer platanoides
BirkeBetula pendula
SpätblüherRosenRosa
StaudensonnenblumeEuonymus europaeus
Frühblüher im FrühlingKrokusCrocus
TulpenTulipa
NarzissenNarcissus

 


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