PORTRÄT: Der Verein Kommunikation durch Kunst

Die Kinder von KoDuKu

 

Seit 2003 pilgern Kinder in die Fichtestrasse 28, den Sitz von Koduku. Dort malen, zeichnen, kneten und sprühen sie – manchmal mit Spraydosen, immer vor Kreativität. Der Verein Kommunikation durch Kunst hat sich zum Ziel gesetzt, die Gestaltungskraft von Kindern zu Leben zu erwecken. Treten Sie ein in eine Welt der Wunder…

Es ist ein Raum voll Fabelwesen. Sie hängen an Wänden, sitzen auf den Regalen, gucken durchs Fenster, sagen nichts. Sie sind aus Pappe, aus Plastik, aus Stoff, aus Watte, aus irgendwelchen Resten. Eulen, Kraniche, Katzen, Stoffmonsterchen, Kugelmännchen und viele, die einfach so sind wie sie sind. Schön, aber schwer zu beschreiben. Es sind die Kinder von Kindern, geistige Kinder versteht sich. Denn sie wurden alle von den kleinen Künstler*innen erschaffen, in der KinderKunstWerkstatt der Fichtestraße 28, die Lager-, Arbeitsraum und Galerie zugleich ist.

Die Fabelwesen-WG teilt sich vier Zimmer mit Bildern, Pinseln, Rollen, Druckpressen, Knöpfen, Stoffen, alles, woraus sich irgendwas machen ließe. „Wir nutzen viel, was andere wegschmeißen. Re- oder upcycling nennt man das“, sagt Corinna Göttlicher, eine der Mitarbeiterinnen der Fabelwesen-Werkstatt. Denn dort gibt es auch Erwachsene, zwei Handvoll, also um die zehn. Die kümmern sich darum, dass die kleinen Schöpfer die besten Bedingungen zur Entfaltung ihrer Schaffenskraft finden. Und die nutzen die KinderKunstWerkstatt ausgiebig: In der Werkstatt herrscht Schichtbetrieb, ca. 25 Kinder pro Tag, in vier Gruppen aufgeteilt, pro Woche 130, pro Monat knapp über 600. Kolonnen von Kindern also, die auf das ehemalige Ladengeschäft zuströmen.

“Ich sehe die Kinder nicht als Künstler im klassischen Sinn. Sie sollen vielmehr lernen, eigene Ideen umzusetzen, ein Bild malen, eine kleine Figur bauen. Dafür muss man sich im Kopf sortieren, sich konzentrieren, Hindernisse überwinden wenn es nicht gleich klappt. Und wenn es klappt, stärkt es das Selbstbewusstsein. Das habe ich gemacht!“ Corinna erzählt von Kindern, die am Anfang ein bisschen schüchtern waren, die nach und nach eigenständiger werden, bis sie dann Vorschläge dankend zur Kenntnis nehmen, aber doch lieber ihre Idee verfolgen. Und wie bei manchen Automarken ist der Weg das Ziel: Es geht um lernen durch tun, durch anfassen, die Umwelt zu begreifen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die KinderKunstWerkstatt ist aber mehr als das, sie ist auch eine Basis, von der die Mitarbeiter in den Kiez ausschwärmen. In Schulen, Kitas, Kinderläden, Notunterkünften, für regelmäßige Einsätze, oder einmalige Events, wie das Besprühen von Stromkästen, oder Schattentheater, wie letzten Herbst am Werner-Düttmann-Platz. Das ist kein Zufall, denn KoduKu, oder Kommunikation durch Kunst, ist schon seit seiner Geburt eng mit der Düttmann-Siedlung verbunden.

 

Ein Jahr nachdem die KinderKunstWerkstatt eröffnete, 2003, trat die Gründerin Kim Archipova der Trägerrunde Düttmann-Siedlung bei, in der sich Vereine und Fachämter für benachteiligte Bewohnergruppen engagieren. „Ich bin kein Fan von Segregation. Als ich Kinder bekam merkte ich schnell, wie Eltern die Orte für ihre Kinder sorgfältig aussuchen. Deswegen hatte der Verein von vornherein das Ziel, alle Kinder zu erreichen“ meint die gebürtige Hamburgerin, die seit 1984 in Berlin lebt. Für dieses Ziel war die Fichtestraße ideal: Voll schmucker Altbauten, eine Welt für sich, aber ein Katzensprung von der damals noch stark von Herausforderungen geprägten Düttmann-Siedlung. In fast 15 Jahren hat sich viel getan. Der unermüdliche Einsatz, der immer noch stark auf Ehrenamt beruht, hat zu unzähligen Projekten und Kooperationen mit Trägern und Schulen geführt und der Verein ist auf 24 Mitglieder angewachsen. „Wir platzen eigentlich aus allen Nähten, oder fast.“

Wie alle Mitarbeiter*innen von KoduKu hat sie noch weitere Standbeine, sie ist Dozentin für Erzieher*innen und bildet sie aus in ästhetischer Bildung, Raumgestaltung, Spiel und Literacy. Obwohl der Verein sehr gut läuft wünscht sie sich dennoch etwas mehr Planungssicherheit, auch um den Kolleg*innen einen längerfristig sichereren Rahmen zu bieten. Denn anders als die vielen Fabelwesen der Fichtestraße haben Menschen ganz handfeste Bedürfnisse. Aber Kim Archipova, wie alle von KoduKu, hat diese eine Leidenschaft, die Leute aus dem Bildungsbereich kennen. Dieser Moment der Vermittlung, wo man spürt dass “die Kinder Impulse aufgreifen, um ihre eigenen Ideen auszudrücken“. Und von diesen Impulsempfängern gibt es nach fast 15 Jahren KoduKu viele. Erst neulich lief ihr ein ehemaliges Kind, heute ein gestandener junger Mann, über den Weg und meinte: „Ich kenne Sie! Wir haben damals mit Ton gearbeitet !“

Kommunikation durch Kunst e.V., Fichterstraße 28, http://www.koduku.de/

Offene KinderKunstWerkstatt jeden zweiten Samstag, 15 bis 18 Uhr.


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