Die KinderKüchen-Bande

Jeden Donnerstagabend, bei Einbruch der Dunkelheit, trifft sich eine eingeschworene Bande von Kindern der Siedlung. Mit Messern, Walzen, Gabeln und Löffeln frönen sie entfesselt ihrem Hobby: das Kochen. Unter Anleitung von vier Ehrenamtlichen geht es um gesunde Ernährung, Tischkultur und gemeinsames Essen. Bei den Kindern schlägt die KinderKüche seit Jahren wie eine (Schweden-)Bombe ein.

„Schon auf dem Weg zum Nachbarschaftstreff warten sie auf uns. Zehn, zwanzig, manchmal dreißig“ erzählen Petra Bentz und Astrid Schierloh von der KinderKüche. „Wir können nicht mit allen Kochen, dafür sind die Räume zu klein. Also müssen wir schweren Herzens einige bitten, nächste Woche zu kommen. Und damit es keinen Neid gibt, führen wir sehr genau Buch.“

Während unseres Gesprächs arbeiten die Kinder um uns herum konzentriert: Sie kneten den Teig, walzen ihn aus, drücken Plätzchen mit Formen. Sie tragen alle eine Schürze und sind mit Eifer bei der Sache. Die Konzentration die sie aufbringen ist manchmal beeindruckend, meint Petra, und erinnert sich an ein Kind, dass eine Apfelsine eine Stunde lang schälte. „Der Andrang ist so groß, wir könnten jeden Tag was machen. Wir können aber maximal einmal pro Woche mit ihnen Kochen.“

Begonnen hat die KinderKüche vor über zehn Jahren. Wie man sich gesund ernährt, wie man etwas zubereitet, was es alles für verschiedene Lebensmittel gibt, wie man aus Essen ein Gemeinschaftserlebnis macht, das alles sollten die Kinder lernen. „In manchen Familien dürfen die Kinder nicht kochen und manchmal gibt es keine Zeit für Esskultur. Hier legen wir großen Wert darauf, den Tisch zu decken, zu dekorieren, um das Essen zu zelebrieren.“

Vier Ehrenamtliche halten die KinderKüche am Leben. Neben Petra und Astrid gibt es noch Brigitte Schnock und Rainer Mehltreter. Die Idee der KinderKüche hatte schon viele Formen, bevor sie die heutige annahm. Einige Zeit lang war sie in der Urbanstrasse 44 untergebracht und hatten eine riesige Küche. Die jetzige, die von der Dütti-Werkstatt, ist mit drei Quadratmetern vergleichsweise klein. Aber egal unter welchen Umständen, das Interesse der Kinder ist ungebrochen. Und Petra und Astrid sind immer wieder erstaunt, wie aus turbulenten kleinen Rabauken plötzlich sehr pflegeleichte Kinder werden, sobald man mit dem Kochen anfängt.

„Es gibt viel, was den Reiz ausmacht. Erstmal ist Kochen beruhigend, viele der Kinder können hier einem stressigen Alltag entfliehen. Dann dürfen sie selber machen, schneiden, reiben, knacken, kneten und sehen, wie ihr ‚Werk‘ entsteht. Sie sind sehr stolz auf das, was sie selber gekocht haben. Und manchmal überrascht mich, dass Ihnen sogar das Abwaschen und Aufräumen Spaß macht.“ Da spielt vermutlich der Spülschaum eine Rolle…

Was machen die Kinder eigentlich, wenn man einfach warten muss, bis das Essen fertig gekocht ist? Werden sie da nicht unruhig? „Dann Singen und Malen wir“ meinen Petra und Astrid. „Oder Falten Servietten…“ Petra braucht nur ein Lied anzustimmen, schon singen alle mit. Hört man die alten deutschen Volkswaisen, gesungen von jungen Deutschen mit Migrationshintergund, weiß man: Integration geht auch durch den Magen.

Astrid Schierloh und Petra Bentz von der KinderKüche.

Kinderküche, jeden Donnerstag von 17 bis 19.30 Uhr, in der Dütti-Werkstatt.
Kostenbeitrag pro Kind: 50 Cent.

 


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