FIRMEN IM VIERTEL: KHOUDIR OUD

Die Lauten aus der Graefestraße

Die Laufbahn von Mohammed Khoudir ist außergewöhnlich. Erst 2010 begann der gelernte Erzieher sich für den Bau von arabischen Lauten zu interessieren. Mittlerweile werden seine Instrumente – in der Graefestraße gebaut – in ganz Europa bestellt.

Ist es ein Zufall, dass sein Nachname das Wort seiner eigentlichen Berufung enthält? Denn zur Oud, so der Name der arabischen Laute, kam Mohammed Khoudir über Umwege. Sieht man ihn in seiner kleinen Werkstatt, umringt von Instrumenten in verschiedenen Stadien der Fertigstellung, glaubt man nicht, dass er je was anderes gemacht hat. Oder wenn, nur etwas wofür man Leidenschaft und Genauigkeit braucht. 

Die fein ziselierte Holzscheibe ist das Markenzeichen eines Lautenbauers.

In jungen Jahren verließ er seine Heimat Algerien, lebte eine Zeit lang in Italien wo er traditionelles Eis herstellte. Die nächste Station war Deutschland. Nach einer Ausbildung zum Erzieher begann er mit Trommeln und Rythmik zu arbeiten. Schnell ging er über zur Musik, nach ein paar Jahren wollte er selbst ein Instrument bauen. Die kleine Werkstatt in der Graefestraße war ein glücklicher Zufall, hier konnte er seinem Wunsch und ersten Versuch den nötigen Raum geben. Jahrelang lernte er, probierte er, solange bis er seinen eigenen Stil gefunden  hatte. Das war 2014.

Die Laute ist so präzise gebaut, dass die Markenscheibe perfekt in die Ausbuchtung passt.

Die ersten Aufträge für Lauten kamen von Musikern in Berlin. Offensichtlich fanden sie Gefallen, denn nach einiger Zeit kamen auch Aufträge aus anderen Teilen Deutschlands. Und inzwischen kommen die Aufträge auch aus Europa. Trotzdem ist es eine Herausforderung seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Das liegt schlicht und einfach an der Zeit, die der Bau eines Instruments braucht: Drei bis sechs Monate im Schnitt, der Preis beläuft sich auf mindestens 2000 €.

Das gilt auch für die sekundären Scheiben.

Sicherlich kann man mehrere Lauten parallel bauen, aber Khoudir hat andere Pläne. Neben seinen Aufträgen hat er an einer kleineren Version eines traditionellen muslimischen Zupfinstruments gearbeitet. Das Kanun, auch orientalische Zither genannt, hat 63 bis 84 Saiten. Die kleinere Version davon die Khoudir gebaut und Nusir genannt hat, ließ er patentieren. Damit sollen Kinder leichter Zugang zur traditionellen arabischen Musik finden, und damit könnte er seine Berufung und den Beruf als Erzieher miteinander verbinden.

Die Nusir, eine kleine Version der orientalischen Laute, die Khoudir entwickelt hat – und patentieren ließ.

Ob es klappt hängt aber nicht nur von ihm ab. Für die türkische Musiktradition gibt es jede Menge Lehrer und Einrichtungen, sogar Musikkonservatorien, für die arabische gibt es natürlich viel weniger – sie sind ja zahlenmäßig ganz anders vertreten. Aber es sind gerade Einrichtungen am Entstehen, vor allen Dingen jetzt, wo die Anzahl von Syrern durch Migration gestiegen ist. Seine Erfindung könnte also sehr bald zum Einsatz kommen.

Genauigkeit und Sorgfalt ist Voraussetzung beim Instrumentenbau.

Die Webseite von Khoudir-Oud

Der Klang eines Ouds

 

 

 

 

 

 

 

 


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