Porträt: Wie man mit wenig viel Schönes machen kann

Do-it-Yourself Dütti-Kunst

Die ehemalige Stadtteilmutter Claudia Hecker arbeitete lange im Dütti-Treff. Dort zeigte sie ihre künstlerische Seite, die ihre Eltern ihr verboten. Wie sie trotzdem zur Kunst und zum Basteln kam und warum die Bastelkurse im Dütti-Treff anbieten will, erzählt sie hier.

Ihre Eltern konnten nichts mit Kunst anfangen. Dabei war es genau das, was Claudia Hecker als Kind und Teenager interessierte. Insbesondere die Muster von Tapeten faszinierten sie, also wollte sie Tapetenmuster-Designerin werden. Doch den gestandenen Eltern war das alles zu bunt, sie solle doch was solides machen. Entweder das Elektro-Geschäft der Familie übernehmen, oder Zahnarzthelferin werden. Doch Claudia war das viel zu farblos. Und so ging sie mit 17 ihre eigenen Wege.

Zur Kunst fand sie erst sehr viel später. Ihr Lebenspartner war dabei eine wesentliche Stütze. Den hatte sie bei Bekannten kennengelernt – ihr gefiel seine Ruhe und Gelassenheit, die er trotz sehr widriger Lebensumstände behalten konnte. Für Claudia lag einer der Quellen seiner Kraft in seiner Religion, dem Islam. Sie setzte sich intensiv mit diesem auseinander und fand mehr als Gefallen an ihm. Er gab ihr Kraft und Halt, heute kann sie sich ein Leben ohne nicht vorstellen.

Kunst brachte sie sich selber bei, der Drang, kreativ zu sein, war einfach zu stark. Dabei hat sie sich auf Scherenschnitte, handgemachte Lampen und die Wiederverwendung von Alltagsgegenständen spezialisiert. So werden aus alten Klopapierrollen kleine Männchen, aus Teelichtern Lampen, oder Mobiles. Mit einer Schere, Papier und Karton entwirft sie Figuren, die sie zu Unterwasserszenerien zusammenfügt. Oder sie bildet ganze Viertel nach, wie das Kottbusser Tor, oder eben die Düttmann-Siedlung.

  • Nichts alles nur Fassade: Dahinter liegt eine Birne, die den Dütti-Treff zum Glühen bringt.

Ein paar Jahre war Claudia Stadtteilmutter. Gleich nutzte sie die Gelegenheit, Bastelkurse anzubieten. Nicht nur, weil das gut ist für die Entwicklung der Kinder, sondern auch, weil sie bei einigen Defizite feststellte. Die Hand-Auge Koordination war nicht immer altersgerecht, die Aufmerksamkeitsspanne ließ manchmal zu wünschen übrig. Ein Artikel im Tagesspiegel bestätigt dies. Deswegen plant sie, sobald Corona es erlaubt, Bastelstunden im Dütti-Treff.

Was das den Kindern bringen soll? Wie sie es selber sagt : « Zeitfenster einhalten, Regeln beachten, Ausdauer entwickeln und seine Arbeit auch selber zu Ende führen sind wichtige Bausteine für das Leben als Erwachsener, welche ich gerne fördern möchte. »

Zu der Frage mit dem Kopftuch: Es ist ihre Entscheidung, eins zu tragen. Sie stört auch ein bisschen, dass man bei offensichtlich identischen Kopfbedeckungen einen Unterschied macht. So wird das Kopftuch von christlichen Nonnen nicht einmal erwähnt, das von muslimischen Frauen hingegen von allen Seiten kommentiert.

Claudia Hecker im Selfie-Porträt. Die ehemalige Stadtteilmutter nimmt jetzt eine Auszeit und plant Bastelkurse für Kinder im Dütti-Treff.


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