BERICHT: Ein Abend beim Dütti-Rendez-Vous

Für die Zeit danach…

Das Quartiersmanagement wird sich Ende 2020 von der Siedlung verabschieden, in der Fachsprache: es wird verstetigt. Damit nach 15 Jahren kein Loch entsteht plant man schon jetzt das Anwohner*innen-Gremium ‘Quartiersrat’ auf eigene Füße zu stellen. Bericht über das Nachbarschafts-Rendezvous vom 11.4.19, bei dem die Wünsche der Bewohner gesammelt wurden – um ein Fundament für eine dauerhaft bestehende Gruppe legen zu können.

Fast 30 Leute waren gekommen. Veteranen der Nachbarschaftsarbeit, aber auch neue Gesichter, die meisten ehrenamtlich, aber auch Fachpersonal vom Bezirk und andere Unehrenamtliche – wie der Kiezredakteur z.Bsp. Pinar Bogar und Angelika Greis vom QM führten durch den Abend, der mit einem kurzen Kennenlern-Spiel mit reicher Ausbeute begann. Aber zuerst ein paar persönliche Betrachtungen über Gruppendynamik.

 

Das Unterfangen aus mehreren handvoll Anwohner*innen eine Gruppe zu schmieden, die ohne den klaren Rahmen eines Quartiersrates und der Begleitung eines QM-Teams aus eigener Kraft steht, ist sicherlich kein leichtes. Schließlich entstehen die meisten Vereine oder Interessensgemeinschaften aus eigenem Impuls, sui generis wie der Lateiner sagt, auf Grund eines starken gemeinsamen Interesses, oder im Falle von Bürger*innen-Initiativen, gegen das Interesse einer dritten Partei.

 

Bei diesem Unterfangen ist es etwas anderes, hier muss man erstmal das oder die Themen ausloten, die die potentielle Gruppe zusammenhalten könnten. Denn der Wunsch, eine Gemeinschaft zu bilden ist nicht von selbst entstanden, auch wenn die Bereitschaft dazu ganz klar vorhanden ist. Nur liegt zwischen Bereitschaft Mitzumachen und aktiver, reger Teilnahme ein Unterschied. So war das Nachbarschafts-Rendezvous als Gehilfe für die aller ersten Schritte der zukünftigen Gruppen zu verstehen.

Das Kennenlernen-Spiel war einleuchtend: Ein Interview mit seinem Nachbarn führen, um ihn dann vor der Gruppe vorzustellen. Von den vier Fragen, darunter zum Namen, positive Eigenschaften die Freunde bei einem selbst ausgemacht hatten, waren die Wünsche der Teilnehmer aus kiezredaktioneller Sicht am ergiebigsten. Wünsche, die eine Fee erfüllen würde – ehrenamtlich. Viele wünschten sich mehr Zeit mit der Familie, um ihren Hobbies nachzugehen, ihrer Netflix-Sucht zu fröhnen, Gesundheit für ihre Nächsten und Zweitnächsten, oder für ausgiebige Reisen.

Weltreisen, Zeit und leistbaren Wohnraum
Es gab auch sehr konkrete Wünsche: Einzelne wollten bezahlbaren Wohnraum, lernen, ein Baumhaus zu bauen, alle Sprachen der Welt können – ohne den Umweg über das lästige Lernen – oder ein großes Haus, in dem alle Freunde Platz haben würden. Gleichzeitig natürlich, wenn man schon einer Fee begegnet, sollte man zugreifen. Feen sind so selten wie pünktliche S-Bahnen des vergangenen Winter.

Der schönste Wunsch war nicht so sehr der Wunsch an sich. Es ging um eine Weltreise, ein eigentlich geläufiger Wunsch. Das Besondere dabei waren die Interviewpartner. Die beiden Anwohner hatten das seltene Kunststück vollbracht, seit 15 Jahren von einander gehört, aber sich nie gesehen zu haben. Der Zufall hatte sie aber zu Sitzpartnern gemacht – und sie verstanden sich sichtlich prächtig. Die Bewohnerin stellte den Wunsch ihres Interviewpartners vor – eben die Weltreise. Und er legte gleich nach: Auf diese Reise würde er auch seine Interviewerin sofort mitnehmen. Die Runde war entzückt. Vielleicht hatte an dem Abend das QM-Team doch eine Fee engagiert…

Danach ging es an den Ernst des Gruppenschmiedens. An fünf Tischen sollten die Anwesenden Antworten auf Fragen sammeln, was sie auch mit großem Eifer machten. Es gab sogar einen Tisch zu Konflikten, der von Mitarbeitern des Vereins Jakus bespielt wurde. Sie halten Nachbarschaftszirkel, eine sanfte Methode, um Konflikte konstruktiv zu bewältigen – und nebenbei erwähnt, monatlich im Dütti-Treff. Der Kiezredakteur berichtete.

Die Ausbeute: Wohnungsevents und historische Spaziergänge
Zum Abschluss wurde die Sammlung vorgestellt, unter den Ideen gab es Gourmet-Runden im Kiez, um die Restaurants kennenzulernen, die einen Besuch Wert waren. Aber auch Wohnungsevents, also Veranstaltungen in Wohnungen, um den stark beanspruchten Dütti-Treff zu entlasten – in privater Atmosphäre ist das Kennenlernen ganz sicher von einer ganz anderen Natur, als in einem Gemeinschaftsraum. Vielleicht sogar Feste, wie zu guten alten WG-Zeiten? Da bot es sich geradezu an, wie sich viele wünschten, die Wohngemeinschaften der Siedlung kennenzulernen, die seit einigen Jahren die Anwohner-Struktur bereichern. Historische Rundgänge im Kiez wurden auch erwähnt, schließlich hat das Viertel hier einiges zu bieten.

Der Tisch mit den Konflikten brachte auch ein brennendes Thema zu Tage: Die kleine Schwester des Dütti-Treffs, die Dütti-Werkstatt, würde von vielen Gruppen benutzt, von denen die wenigsten den Ort so sauber verließen, wie sie ihn vorfänden. Ein wichtiger Punkt: gute Gemeinschaften sind solche, bei deinen man regelmäßig reinen Tisch machen kann.

Zum Abschluss sollte man noch sagen, warum man zum nächsten Nachbarschafts-Rendezvous kommen würde. Perfiderweise meinte der Kiezredakteur er käme sicher wieder, weil er ja dafür bezahlt werde. Bei den anderen Anwesenden war eindeutig der Wunsch zu spüren, Form, Themen und Aktivitäten zu finden, die aus interessierten Bewohner*innen eine richtige Gemeinschaft schaffen könnten. Fortsetzung in einem der kommenden Newsletter.


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