Emine Yilmaz

Seit zwei Jahren setzt sich Emine als Sozialarbeiterin dafür ein, dass die Bewohner*innen der Düttmann-Siedlung in Kontakt kommen und im Nachbarschaftstreff gemeinsam Ideen umsetzen. Ob es um Kochaktionen, die Handarbeitsgruppe, das Frauenfrühstück oder den Vätertreff geht: Emine entwickelt die unterschiedlichsten Angebote und versucht, die Menschen dafür zu gewinnen. Ihr Ziel ist, dass sich Frauen und Männer verschiedenster Kulturen und Altersgruppen im Nachbarschaftstreff austauschen können. Emine-Komprimiert

In dem Begegnungshaus mitten in der Düttmann-Siedlung liegt auch das Büro, in dem Emine ihren Schreibkram erledigt: Sachberichte, Abschlussberichte und Jahresplanungen gehören nämlich auch zu ihrem Arbeitsalltag. Emine arbeitet aber nicht nur im Nachbarschaftstreff, sondern pflegt ebenso enge Kontakte mit Institutionen wie dem Jugendtreff drehpunkt, der Kindereinrichtung Gräfekids, der Kita Hasenheide und mit Projekten wie dem Familienbündnis. „Wir versuchen, optimal zusammenzuwirken: Für dieses Jahr planen wir zum Beispiel, dass Themen wie „Kindesmissbrauch“ jeweils zwei Wochen lang in den verschiedensten Institutionen diskutiert und bearbeitet werden. Ziel dieser Kampagnen ist, in den Familien Gespräche in Gang zu setzen“, erklärt die 42-Jährige.

Die Motivation für ihre Arbeit schöpft die Sozialarbeiterin auch aus ihrer eigenen Geschichte: „Ich komme aus einer sehr streng gläubigen türkischen Familie, bin mit 14 zwangsverheiratet worden und habe mich dann entschieden, meinen eigenen Weg zu gehen. Als ich von Zuhause abgehauen und später mit kleinem Kind von Süddeutschland nach Berlin gezogen bin, habe ich selbst viel Hilfe von Sozialarbeiter*innen erfahren“, erzählt sie. Dieser biografische Hintergrund stelle für sie häufig auch eine Brücke zu den Bewohner*innen der Düttmann-Siedlung dar.

Emine wurde von den Menschen hier von Anfang an sehr herzlich aufgenommen. Auch sie selbst zeigt große Bewunderung für die Bewohner*innen der Düttmann-Siedlung, die in der Politik zwar vielleicht als „integrationsgescheitert“ gelten, im Alltag jedoch häufig Gewaltiges leisten. Dennoch ist es für Emine bis heute eine Herausforderung, die Bewohner*innen im Kiez tagtäglich neu zu aktivieren: Die Sozialarbeiterin spricht die Menschen in der Siedlung an oder geht auch mal von Haus zu Haus, um Flyer zu verteilen. „Einen Teil der Bewohner erreicht man sehr gut“, sagt sie. „Andere kalkulieren aber falsch mit ihrer Freizeit, verbringen viel Zeit vor dem Fernseher und wollen sich nicht engagieren. Manche leiden auch unter Lethargie oder Depressionen. Es braucht sehr viel Feingefühl, diese Menschen zu erreichen.“

Emine hat in den vergangenen zwei Jahren viele Beziehungen in der Düttmann-Siedlung aufgebaut. Kleine Kinder begrüßen sie auf der Straße. Jugendliche kommen zu ihr, um ihr Herz auszuschütten. Mütter und Väter, die woanders vielleicht nicht gesehen werden, fühlen sich bei ihr wohl. Das ist sicherlich auch ein Grund dafür, dass Emines Teilzeitstelle zum 1. Januar 2016 in eine Vollzeitstelle umgewandelt wurde. Für Emine bedeutet das vor allem, dass ab sofort ihre Überstunden bezahlt werden: „Ich bin Sozialarbeiterin mit Herz und Seele. Da lässt man nicht nach fünf Stunden einfach den Löffel fallen. Bisher musste ich also am Wochenende jobben, um mein Leben zu finanzieren. Es ist eine große Erleichterung für mich, dass ich mich jetzt auf die Arbeit hier konzentrieren kann“, sagt sie.

Mit der Stundenzahl hat sich auch Emines Stellenbezeichnung geändert: Die Sozialarbeiterin ist nun nicht mehr als „Nachbarschaftsbeauftrage“ tätig, sondern „Leiterin des Nachbarschafstreffs“.

Ihr größter Wunsch ist es, dass neuzugezogene und alteingesessene Frauen und Männer die Verantwortung für Ihre Nachbarschaft und ihr Wohnumfeld übernehmen. „Ich möchte dass der Nachbarschaftstreff von unterschiedlichen Nationalitäten, Alter, Kulturen und Bewohnergruppen genutzt wird.“