PORTRÄT: Er weist den Weg durch die Berliner Bürokratie

Der deutsche Alexandrier

Wer in der Düttmann-Siedlung Fragen hat, geht zu Farag Abdel-Kawy… Porträt einer der Säulen der sozialen Arbeit in der Düttmann-Siedlung, der sicher durch die manchmal byzantinische Berliner Bürokratie lotst.

Wer in der Düttmann-Siedlung Fragen hat, geht zu Farag Abdel Kawy. Ob Jobcenter, Sozialamt, Rentenantrag, WBS-Schein oder Termine bei Arzt oder Ämtern, Farag hilft den Bewohner*innen geduldig durch die byzantinische deutsche Bürokratie – auf arabisch. Er ist keine graue Eminenz, dafür ist der zwei-Meter-Mann viel zu sichtbar. Seine sanfte und kompetente Art gibt einem Sicherheit.

Wäre das liebe Geld nicht, würde Abdel-Kawy sofort den Kindern der Siedlung eine schulische Betreuung bis 16 Uhr anbieten, denn eine gute Ausbildung fehle hier schmerzlich. Schulen wären entweder zweisprachig, oder hätten eine ausgewogenere Mischungund Kinder würden Theater, Kinos und Museen kennenlernen.

Wer wie Farag in Alexandria aufwuchs, Heimat der einst größten Bibliothek der Welt, weiß wie wichtig Bildung ist. Als Jugendlicher lernte er ein liberaleres und kosmopolitischeres Ägypten kennen, die goldene Ära der 60er Jahre klang in Filmen, im Fernsehen, in Büchern nach. Heute sorgt er sich um sein Geburtsland: Als er es 1983 verließ, gab es 46 Millionen Einwohner*innen heute sind es 104 Millionen. Toleranz ist nicht mehr auf der Tagesordnung.

Farag Abdel-Kawys Verbindung zu Berlin ist stark: Seine Großeltern lernten sich dort kennen, seine Großmutter war Deutsche. Sein Vater kam 1917 in Berlin zur Welt, seine Frau heiratete er im osmanischen Konsulat, damals für Ägypten zuständig. Das osmanische Reich ist nicht mehr, aber vielleicht lebt die Tradition des Vielvölkerstaates mit Farag weiter: Ist die Düttmann-Siedlung nicht eine Vielvölkersiedlung?


Aktuelles | Highlights des Monats | Archiv