PORTRAIT: Seit 2005 betreut die Werner-Düttmann-Siedlung…

Der Haus-Meistersinger

Keine*r kennt die Düttmann-Siedlung der vabene Hausverwaltung so gut wie er: Frank Wegener ist seit 2005 der Hausmeister. In über zehn Jahren war er Zeuge großer Veränderungen, das damals kaputte Viertel mutierte zu einer Siedlung, in der es sich leben lässt. Die Liebe zu seinem oft herausfordernden Job ist unverändert. 

Als er seinen Posten antrat, löste Frank Wegener nicht irgendwen ab: Sein Vorgänger war Mitglied der Familie Knigge, ein Nachkomme des Autors des legendären Benimmratgebers “Über den Umgang mit Menschen”. Als Knigge gekündigt wurde, hoffentlich unter Wahrung der Form, übernahm er. Mit Menschen umgehen kann Wegener ganz sicher. Er ist bei Mieter*innen so beliebt, das einer ihm einen Teller schenkte mit der arabischen wirkenden Aufschrift: “Der beste Hausmeister: Frank Wegener”.

Das Geheimnis seiner Beliebtheit erklärt der Berliner – genauer gesagt, der Kaulsdorfer – kurz: “Ich bin sowieso nett mit jedem, aber noch dazu wollen ja alle was von mir. Also sind sie logischerweise nett mit mir. Schwierigkeiten gab es nie.” Ein Geben und Nehmen. Und im Nehmen ist Wegener geübt, sein Telefon klingelt 60 Mal am Tag, alle acht Minuten gibt es eine Mieter*innenanfrage. Bei 577 Wohnungen, die zu vabene zählen ist das kein Wunder. Trotz dieser hohen Beanspruchung bleibt er außerordentlich gelassen, Berliner*innen sind halt entspannt. Aber Wegener hat ein zusätzliches Geheimnis für Gelassenheit, mehr dazu später.

Der Hausmeister kannte die Siedlung schon bevor er seine Stelle antrat, als Bauleiter überwachte er Anfang der 2000er Jahre dort oft Arbeiten. Die damalige Hausverwaltung sah sich nach Kandidat*innen um, der Geschätsführer freute sich über seine Bewerbung mit den Worten: “Da weeß ick, wen ick habe “. Wegener wusste auch genau, worauf er sich einließ. Denn “damals war die Siedlung völlig verwahrlost. Es gab unzählige dunkle, zugewucherte Ecken, die richtig unheimlich waren.” Die Müllflächen waren große “Betonbunker, verdreckt, verkeimt und brüchig”. Es wurden Drogen verkauft, in einigen Wohnungen gab es sogar Prostitution, die weißen Fliesen rund um den Werner- Düttmann-Platz waren schwarz mit Graffitis, Brände auf Balkonen oder in Kellern waren keine Seltenheit.

Aber kurze Zeit nach Wegeners Antritt übernahm eine andere Hausverwaltung und das Quartiersmanagement wurde Juni 2005 eingerichtet. In den Folgejahren bis 2008, wurden die Außenbereiche der Siedlung in Stand gesetzt. Monatelang wurden wildwuchernde Büsche gestutzt, Wände von Graffitis gereinigt, Zäune der Mieter*innengärten und Müllflächen erneuert. Ab 2009 waren die veralteten Nachtspeicheröfen an der Reihe und wurden durch Zentralheizungen ersetzt. In dieser Zeit waren viele Wohnungen unvermietet, an die 30 bis 40. Der Leerstand wurde nach der Sanierung schnell durch selbstzahlende Mieter*innen behoben. Was Wegener bis heute wundert: Nach dem Entfernen der Graffitis erschien nie wieder ein Neues.

Damals hatte Wegener alle Hände voll zu tun. Bis Mitte 2010 arbeitete er alleine, Zeit für Urlaub gab es so gut wie nicht. Seitdem er einen Kollegen hat, ist die Lage etwas entspannter. Jetzt hat er etwas mehr Zeit, mit den Bewohner*innen zu reden. Sie lebten oft in sehr engen Verhältnissen. Er kennt drei-Zimmer-Wohnungen mit neunköpfigen Familien, was zum Beispiel die Badezimmer über die Maßen beanspruche. Am liebsten würde Wegener dazu Workshops halten, um Schimmelbildung und andere Nebeneffekte starker Nutzung zu verringern. Bis dahin wird er nicht müde zu erklären, dass man die feuchten Flächen abtrocknen sollte. Viele Mieter*innen gäben ihm auch Recht, nur ist er sich nicht sicher, ob seine Worte fruchten.

Keine echten Schlüssel, nur Fotokopien: So behält Wegener den Überblick, wer wann welchen erhalten hat.

Andere Sachen stören ihn viel mehr. Wie mutwillige Zerstörungen. Vor kurzem hatte jemand mit Sekundenkleber das Schloss einer Schranke am Eingang der Siedlung blockiert. Anstatt in Fassungslosigkeit zu verfallen kaufte Wegener Nagellackentferner und bearbeitete das Schloss “drei Stunden“. Das Problem war gelöst. Auch störe ihn, dass manche Mieter*innen nicht sehr viel von Mülltrennung halten, oder ihren Sperrmüll nicht zur BSR brächten. Diese nennt er “Schlimmlinge”. Sie seien aber nicht die Mehrheit, denn die meisten seien sehr freundlich. Er erzählt von einer Familie, die zu siebt in einer zwei-Zimmer-Wohnung leben. Die Kinder machten ihre Hausaufgaben auf der Arbeitsfläche der Küche, er ist immer wieder erstaunt, wie fröhlich die Stimmung dort sei.

Der Chor bei dem Wegener mitsingt bei einem Auftritt am Düttmann-Platz.

Am Ende des Gesprächs verrät Wegener mir das Geheimnis seiner Gelassenheit. Er singt. Auch da nicht irgendwo, sondern in einem der ältesten Chöre Berlins, dem Männerchor Eintracht 1892 e.V. aus Mahlsdorf. Seine Augen leuchten, jedes Anzeichen von Müdigkeit verfliegt, wenn er erzählt, dass sie vor kurzem einen jungen Chorleiter engagiert haben, eine richtige Koriphäe. Der Chor macht Reisen nach Polen, Firmen engagieren sie für Feiern, sogar bei der IGA sind sie aufgetreten und in der Siedlung waren wie auch ein paar Mail, siehe Foto. Wenn er so gut singt wie er Hausmeister ist – und seine Kollegen auch – sollte man schnell eines ihrer Konzerte anhören. Das nächste ist am 26. September in Hoppegarten.

Webseite des Männerchors Eintracht 1982

 


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