Eine gute Nachbarschaft ist Übungssache

Die schmale Straße, die den Namen des ersten Fitness-Instructors Deutschlands trägt, Turnvater Jahn, ist eine der ruhigeren Kreuzbergs. Umso mehr freute man sich am 25.5.2018 über das Fest der Nachbarn des Quartiersmanagements Düttmann Siedlung. Denn wie bei Gymnastik muss eine gute Nachbarschaft trainiert werden.

Es passierte alles auf dem Bürgersteig, bei einem Fest für Bewohner*innen ist das logisch. Die ca. 150 Meter vom Schülerladen Biberzahn bis zum Türkischen Frauenverein, die das Quartiersmanagement der Düttmann-Siedlung einrahmen, waren dicht mit Attraktionen, Ständen und Basteltischen gefüllt. Die Jahnstraße ist vielleicht eine ruhige, aber im Laufe der Jahre ist dort eine regelrechte Bürgermeile entstanden, mit Vereinen, Einrichtungen und freien Trägern.

Der Schülerladen hatte vor seinen Räumen eine Schokokuss-Wurfmaschine aufgebaut, mit dem sich Naschkatzen selber bombardieren konnten. Vorausgesetzt sie trafen den Auslöser mit einem Tennisball, schnellte das Kaloriengeschoss einem entgegen. Strafe und Belohnung in einem, wenn es viele Besucher*innen gibt, präsentiert man Dinge zusammengefasst.

KoduKu e.V., Anbieter von Kunstworkshops für Kinder, hatte ein Basteltisch aufgestellt. Unter der Schirmherrschaft eines Pappe-Batmans, konnte man Geschenke für die Eltern basteln. „Für Mama und Papa“ las ich im Vorbeigehen Zumindest fiel das den Kindern als erstes ein, die Trainerin zeigte geduldig, wie man Schleifen und Herzen auf ein Brett heftet.

Gegenüber von Batman gab es einen Schminktisch, dank dem ungewöhnliche Tiere und Insekten auf Kindergesichtern auftauchten. Als ich vorbeiging konnte ich beobachten wie ein Schmetterling in Zeitlupe auf einem Kindergesicht landete, die Trägerin nahm sich alle Zeit der Welt, bis der Falter mit präzisen Pinselstrichen in all seiner Pracht aufblühte. Verstreut durch die Menge sah man Hybride aus Kindern und Leoparden, Katzen und anderen Fabelwesen.

Das Quartiersmanagement hatte vor seinem Ladenlokal eine Polaroid-mit-Drucker aufgebaut, das mit einem Berg von Perücken und anderen Verkleidungsstücken geliefert kam. Eine Traube Kinder mit psychedelischen Afro-Frisuren, Inkognito dank Riesensonnenbrillen, waren Stammgäste der Maschine.

Das Innere des Quartiersmanagements war auf der einen Seite in einen Ausschank verwandelt, auf der anderen Seite in eine Waffelfabrik zu Stoßzeiten. Auf dem Tisch an dem sonst Steuerungsrunden, Vereinsvorstände und andere Akteure Gebietsentwicklungskonzepte ausbrüten roch es jetzt nach frischem Teig, nach Puderzucker und nach Kaffee.

Die Senior*innen des Bezirks hatten wagemutig Bäume mit ihrer Botschaft beschlagnahmt: Wir rocken das Alter. Das Nachbarschaftsprojekt „Aufeinander zählen“ bespielte gleich drei Tische. Hier konnte man Taschen bemalen oder mit Siebdruck gestalten. Oder man hat seinen Wunsch gebastelt und an riesige Blumen aus Krepppapier geheftet. Der Türkische Frauenverein e.V. war eher klassisch unterwegs mit Flyern und Broschüren, dafür hatten sie aus meiner Sicht die besten Kekse.

Wer noch nie Blumen gepflanzt hatte konnte es diesmal tun, mehrere Kilo abgepackter Blumentopferde warteten darauf, erst von Kinderhänden in zylindrische Tongefäße transportiert zu werden und dann einen Samen zu erhalten.

Krönender Abschluss der Bürgermeile, an der das Fest der Nachbarn stieg, war der Mini-Fußballplatz, mit einem Mini-Tor, ca. 50 cm hoch und 70 cm breit, auf dem ganz groß Olli Kahn draufstand. Während Kinder sich austobten standen riesig wirkende Erwachsene nicht vor, sondern hinter dem Tor, um die Spieler vor den selten vorbeifahrenden Autos zu schützen.

Zum netten Nachmittag für Nachbarn, musikalisch von Seph Streets mit engagiertem Reggae, einem Oud-Spieler mit klassischer arabischer Musik und dem Chor der Hasenschule untermalt, tauchten neben den üblichen Verdächtigen, zu denen ich mittlerweile auch schon zähle, der Stadtrat für Schule und Sport, Andy Hemke, und Jana Nowratzky – Zuständige vom Bezirk für das Fördergebiet Düttmann-Siedlung.

Turnvater Jahn hätte seine Freude gehabt: Es wurde fleißig für eine gute Nachbarschaft geübt, und wie bei jedem gut geplanten Training, überwog der Spaß-Anteil bei weitem. Wann das nächste Training stattfindet, erfahrt ihr beim Quartiersmanagement, bei Facebook oder im Newsletter.

Der “Europäische Tag der Nachbarn“ wird seit 2004 immer am letzten Freitag im Mai gefeiert. Mittlerweile hat der Nachbarschaftstag die europäischen Grenzen überschritten und wird auf der ganzen Welt Mai gefeiert. 2016 beteiligten sich mehr als 30 Millionen Menschen in 36 Ländern.

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