BERICHT: Kiezfrühstücke des Vernetzungsprojekts Wirtschaft-Düttmann Siedlung

Frühstück mit gesellschaftlichem Mehrwert

Das Projekt « Kiezgrößen » des Vereins Coopolis soll Gewerbetreibende des Viertels untereinander und mit der Düttmann-Siedlung verbinden. Wie lässt sich das leichter machen als mit einem Frühstück? Durch die Vernetzung soll der Nährboden entstehen, der Projekte zur Verstetigung des Viertels begünstigt. Bericht des ersten Frühstücks am 11.10.18, das zweite ist am 13.12.18. Hier kann man nachfrühstücken.

 8.30 Uhr empfand ich schon als sehr früh, war aber glaube ich der einzige, der so dachte an diesem Morgen. Die Gewerbetreibenden schienen die Uhrzeit im Gegenteil ideal zu finden. So meinte es zumindest die Leiterin des Haus Bethesda in der Dieffenbachstr. 40, Viola Kleßmann. Das Haus ist ein Altersheim mit Pflegeeinrichtung. Im Laufe des Frühstücks erwähnte Kleßmann, dass sie händeringend nach Pflegepersonal suchen und sogar zukunftige Mitarbeiter*innen ohne Vorkenntnisse ausbilden würden, so schwer sei derzeit die Suche. Im Pflegebereich muss man sowieso früh aufstehen, deswegen sagt die Dame das.

Auch der Inhaber des Ladens Tee Salon Iki in der Böckstraße 50, Panos, dachte ähnlich. Wie der Name ahnen lässt, verkauft er in einem Salon Tees, aber auch Kräuter und Honig aus Nord-Griechenland, meine scharfe Kombinationsgabe ließ mich auf Thessaloniki tippen. Der Inhaber meinte, er könne sich Projekte mit Kindern und Jugendlichen der Siedlung vorstellen und könne auch sein Ladenlokal Projekten vorstellen und für Veranstaltungen zur Verfügung stellen.

Der Erfinder des Formats Kiezfrühstück, André Batz, konnte die Uhrzeit nicht schlecht finden, er hatte sie ja selbst festgelegt. Im Gespräch erwähnten wir, wo sich weitere Gewerbetreibende im Umfeld finden ließen. Wir versuchten außerhalb von festgetretenen Pfaden zu denken und mussten feststellen, dass das nicht immer zielführend ist. Die Deutsche Rentenversicherung zum Beispiel schien unpassend. Dessen Niederlassung an der Hasenheide zählt zwar 1300 Mitarbeiter, aber wovon keiner sich dem Kiez geschweige denn der Siedlung verbunden fühlen dürfte.

Beim zweiten Kaffee und dem dritten Marmeladenbrot kam jedoch der Geistesblitz. Gegenüber, an der Urbanstrasse 116, befand sich ein großer denkmalgeschützter Gewerbehof, in dem sich über zwei Dutzend Firmen der Kreativwirtschaft befanden, wie Design- oder Kommunikationsagenturen, Architekturbüros und Softwareschmieden, aber auch so originelle Einrichtungen wie die Proberaum Plattform Berlin. Dort kann man entweder Räume für performative Kunstformen suchen, oder eigene anbieten.

Obwohl die gefühlte Distanz zwischen der vielgerühmten Berliner Kreativwirtschaft, mit ihren großbebrillten Spezialisten, und der Düttmann Siedlung relativ hoch sein dürfte, wollte André Batz auf jeden Fall einen Kontakt anbahnen. Sinnvoll wäre es, warum sollten die Teenager der Siedlung für ein Praktikum z.B. weniger geeignet sein als Heranwachsende aus anderen Kiezen.

Auf jeden Fall kam das erste Frühstück gut an, man einigte sich auf einen zweiten Termin,  am  13.12.18, wieder um 8.30 Uhr im Dütti-Treff . Um sich an das Frühaufstehen zu gewöhnen, ist das Betreiben eines Gewerbes sicher eine gute Idee…


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