FIRMEN IM VIERTEL: Lowkick, Selbstverteidigung für Frauen

Mit vielen Kicks zu sich selbst

In der Urbanstr. 70a findet man vielleicht eine andere Antwort auf die #metoo-Debatte: Selbstverteidigungskurse für Frauen und Mädchen. In dem 2009 gegründeten Verein lernt man nicht nur eventuell übergriffigen Männern Grenzen zu zeigen. Frauen haben dort auch die Möglichkeit, zu einer neuen Selbstwahrnehmung zu finden – ohne Druck von traditionellen Rollenbildern.

Es gibt viele Gebiete die als unweiblich abgestempelt sind, aber Frauen interessieren könnten. Wenn diese Männerbastionen sind kann es sein, dass die die wenigen Frauen, die den Schritt wagen sich nicht besonders wohl fühlen. Kampfsport ist sicher ein Paradebeispiel dafür.

Die Selbstverteidungsschule für Frauen und Mädchen Lowkick entstand genau aus diesem Grund. Eine Handvoll Frauen gründeten 2009 den Verein, damit Frauen Selbstverteidigung frei von Leistungsdruck und Männerblicken trainieren können. Initiatorin Claudia Fingerhuth geht es um feministische Sportkultur, wobei die Definition von Frau hier sehr großzügig ist. Jeder, der sich als Frau definiert und mit “sie” angesprochen werden möchte, ist hier willkommen.

Ein Boxring nur für Frauen im Konditionssaal von Low-Kick.

Tatsächlich liest sich die Webseite teilweise wie ein feministisches Traktat. Aber in den Worten der Trainerin Juls, Anfang 30, wird es verständlicher: “Mir war als Kind klar, dass Kampfsport mein Ding ist. Es war mir aber zu militärisch, zu leistungsfixiert, zu männerdominiert…” weswegen sie immer wieder mit dem Training aufhörte. Bei Lowkick fand sie endlich eine passende Atmosphäre, in der Kampfsport noch dazu eher miteinander als gegeneinander trainiert wird. Juls bietet Kurse spezifisch für Mädchen an, Kickboxing und Wendo.

Beim in Nord-Amerika entwickelten und hier wenigen bekannten Wendo geht es nicht nur um Selbstverteidigung, sondern auch um Persönlichkeitsentwicklung und Behauptung. Rollenspiele gehören zum Programm. Auf der Webseite von Lowkick liest man: “Es geht darum, (…) wie du dich wehren kannst, wenn du dich belästigt fühlst: Zum Beispiel von Kindern in der Schule, die dich ärgern, oder vom Mann, der dich anstarrt, oder auch von Menschen, die dir einfach unangenehm sind und die du auf Abstand halten möchtest, ohne Ärger zu provozieren oder dich kleiner zu machen, als du bist.”

Trainerin Inken Wähner gefiel bei Wendo – sie entdeckte es Anfang der 80er Jahre – dass sie ihr eigenes Frauenbild ohne Einfluss von Außen entwickeln konnte. Mittlerweile hat sie ihr Repetoire um Kickboxen und Stockkampf erweitert. Das Bindeglied bei den vielen unterschiedlichen Kampfsportarten ist das Gefühl von Lebendigkeit und Lebensfreude, das durch den Kontakt zu sich selbst den der Kampfsport ermöglicht entsteht.

Vor ein paar Jahren hatte Lowkick ein Projekt mit Mädchen aus der Düttmann-Siedlung durchgeführt. Das ist seitdem eingeschlafen, es besteht aber immernoch Interesse, eines durchzuführen, so Claudia Fungerhuth. Wenn einer der Akteure im Kiez auch Interesse hätte, so ist Lowkick von Montag bis Freitag geöffnet, von 08:15 bis 22:00 Uhr. Sollte der Kontakt beim ersten Versuch nicht gelingen, nicht verzweifeln: man kann bei Lowkick in Yoga- und Tai-Chi-Kursen auch seine Gelassenheit trainieren…

Für Frauen aus der Düttmann-Siedlung, die Wendo kennen lernen möchten, wird der Verein einen Schnupperworkshop machen.  Dieses Angebot wurde von Trainer*innen von Lowkick während der Kontaktbörse des Projektes “Kiezgrößen” von coopolis ausdrücklich gemacht.
Das Quartiersmanagement hat eine Liste ausgelegt. Frauen, meldet Euch an, denn Selbstbehauptung statt Angst ist ein Lebensmotto, das Mut macht.  

Lowkick e.V. ist in der Urbanstraße 70a, Tel. 030 / 695 333 33, Mail: info@lowkick-berlin.de

Webseite von Lowkick

 

 

 

 

 

 

 

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