BERICHT: Nachbarschaftszirkel ab 2019 monatlich

Ein Kreis für mehr Sicherheit

Die Vorfälle im Sommer 2018 ließen einige Bewohner*Innen nicht kalt. Daraufhin regten das Quartiersmanagement und der Dütti-Treff Nachbarschaftszirkel an. Die von Jakus angewandte Methode der Peacemaking Circles ist besonders effektiv um Konflikte sanft zu überwinden. Inzwischen wurden drei Nachbarschaftszirkel gehalten und ab 2019 sind sie monatlich. Zum Zirkel.

Inzwischen hat sich die Lage schon beruhigt. Aber als die Vorfälle in der Düttmann-Siedlung noch ganz frisch waren – vergangenen Sommer – war die Verunsicherung besonders bei Müttern groß. Sie wollten ihre Kinder nicht mehr draußen spielen lassen. Sie wollten sie nicht mehr alleine von der Schule nach Hause kommen lassen. Zu unvorhersehbar erschien damals die Situation. Eine Mutter schilderte eindrucksvoll, wie es ist, wenn Tränengas in die eigene Wohnung eindringt. Im Zuge der Vorfälle war die Polizei energisch eingegriffen und hat Mittel benutzt, die ihr zur Verfügung stehen.

Das konnte man hören in der Runde, die sich Ende September im Dütti-Treff zusammengefunden hatte. Das komplette Team des QMs war anwesend, die Leitung des Dütti-Treffs Emine Yilmaz und besonders eine handvoll Mütter der Siedlung. Diese hatten Yilmaz mit ihren Sorgen und Bedenken überschüttet: Sind wir noch sicher hier? Was ist, wenn so etwas wieder passiert? Kann man denn nichts tun? Yilmaz erinnerte sich an die Weiterbildung in der Methode der Peace Making Circles, die der Verein Jakus im Frühjahr angeboten hatte. In stark überbelegten Mietshäusern Neuköllns konnten dank der Nachbarschaftszirkel schwelende Konflikte entschärft werden.

Könnte das auch in der Düttmann-Siedlung funktionieren? Ein Versuch war es auf jeden Fall Wert. Auch wenn die Peacemaking Circles Methode bedingt, dass zur Lösung eines Konfliktes alle Parteien teilnehmen, so hat sie doch im Vorfeld erhebliche Vorteile. Es sieht aus wie ein banaler Stuhlkreis, er unterliegt aber ganz klaren Regeln, die ihn besonders machen. Nur wer den Redegegenstand hat, der reihum geht, darf reden. Das wirkt wie ein Detail, ist aber wesentlich: Denn wer bei Versammlungen entscheidet, wer und wie lange redet, hat die Macht. Bei Zirkeln hat niemand und jeder die Macht.

Dadurch entsteht ein Raum, in dem man sich sicher fühlt. Man traut sich Probleme auszusprechen, die man im Alltag meidet. Im US-amerikanischen Englisch gibt es die Redewendung des Elefanten im Raum. Gemeint sind damit Themen, die fast zum anfassen einen Raum füllen, aber niemand redet darüber. In der Düttmann-Siedlung ist die unvorhersehbar aber verlässlich wiederkehrende Gewalt ein solches Problem. Zwar kann Reden alleine keine Probleme lösen, aber zumindest sind sie ein erster, notwendiger Schritt. Und die Bewohner*innen fühlen sich erhört, was sonst nicht immer der Fall ist. Besonders bei dieser Herausforderung.

Bisher fanden drei solcher Zirkel statt. Vermutlich wird es dauern, bis das Angebot angenommen wird. Aber es ist zu hoffen, dass die Annahme wächst, und dass wie ein Tropfen einen Stein aushöhlen kann, die Nachbarschaftszirkel den Elefanten in der Düttmann Siedlung sanft vertreiben.

Der nächste Zirkel fand übrigens am Donnerstag, den 17.01.19 statt, im Nachbarschaftstreff. Die weiteren Termine von 2019 findet ihr im Dütti-Kalender, der bald verteilt wird.


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