Pfandflaschen für Bildungschancen

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Erst seit 2015 im Kiez und schon unterstützt die Bio Company die elhana Lernpaten, der Verein der ehrenamtlichen Nachhilfeunterricht gibt. Wir haben den Bio-Tempel und seine Leiterin, die eine U-Bahn-Station entfernt aufgewachsen ist, genauer untersucht und ein Düttmann-Siedlung Gütesiegel ausgestellt.

Wer viel Spenden einsammeln will, sollte Spendern Abgeschiedenheit schenken. Unbeobachtet gäbe es weniger Druck, sie fühlten sich dadurch freier und geben deswegen mehr. Wer das sagt? Keine amerikanische Studie, sondern die Filialleiterin der Bio Company an der Hasenheide. Und Frau Kapuci kann es täglich beobachten. Denn seitdem die Spendenbox für den Verein elhana Lernpaten direkt neben der Pfandflaschen-Maschine aufgestellt ist, im hinteren Teil des Supermarkts, ist der Ertrag viel höher als beim alten Standort, gleich neben der Kasse. Woche für Woche wird eine gesunde Mischung aus Pfandbons und Bargeld gesammelt, Woche für Woche ist es mehr als früher.

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Ein Zeichen, dass der Kiez sich ändert
Im Januar 2015 eröffnete die Bio Company eine Filiale im Gebiet des Quartiermanagements Düttmann-Siedlung – und seit Beginn ist Frau Kapuci die Leiterin. Sie betreut ein Team von 20 Mitarbeitern, das über 2000 Produktkategorien und ca. 5000 Artikel waltet und schaltet, natürlich alle rein biologisch. 500 bis 600 Kunden kommen täglich, mehrheitlich Stammkunden, da es auf der Hasenheide kaum Laufkundschaft gibt. Deutsche, Araber, Türken, Touristen, die das angenehme Klima der Filiale schätzen, die regionalen Produkte und die Gewissheit, dass die Zertifizierungen stimmen. Und auch manchmal nur auf ein einen Kaffee vorbeikommen, mit beigelegtem Dinkelkeks versteht sich.

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Ein stimmiger Laden
Auch Mitarbeiter schätzen das Klima der Firma, zu aller erst Frau Kapuci. Die Neuköllnerin ist im Kiez  Flughafenstrasse / Boddinstrasse aufgewachsen, ihr jetziger Job ist also ein Steinwurf – oder eine U-Bahn-Station – vom Viertel ihrer Kindheit entfernt. Dabei hat sie mit der Bio Company, bei der sie seit Ende ihrer Ausbildung arbeitet, eine regelrechte Berlin-Tour hinter sich. Friedenau, Prenzlauer Berg, Frohnau waren nur einige Stationen ihrer Karriere. In Frohnau waren die Kunden der frisch eröffneten anfangs die einzigen, die etwas Skepsis an den Tag legten, da einige noch selber Gemüse anbauten. Rasch legte sich das aber. Besonders der dörfliche Charakter Frohnaus hat sie erstaunt. Auch wenn ihre Familie ursprünglich aus der Kleinstadt Artvin am Ufer des schwarzen Meeres stammt, nahe der georgischen Grenze, in welcher seit Jahrhunderten Türken, Georgier, Lasen und Kurden friedlich zusammenwohnen. Eine Kleinstadt in einer entfernten Grenzregion, aber wo ist die Logik eines Dorf mitten in einer Großstadt? «Berlin ist immer für eine Überraschung gut», bemerkt Frau Kapuci. Der Hauptunterschied der Kreuzberger-Filiale: Die vielen Nationalitäten der Kundschaft. Womit sich der Kreis doch noch logisch schließt.

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Viel Kraut und Rüben, aber trotzdem ein klarer Kurs
Sie schätzt die Bio Company als Arbeitgeber sehr. Aufgrund der Aufstiegsmöglichkeiten, aber auch auf Grund des Respekts den Mitarbeiter genießen. Auf die Einhaltung der Arbeitsstunden wird in beide Richtungen geachtet und auch als unbeteiligter Interviewer merkt man, dass weniger Hektik als in anderen Supermärkten herrscht. Das bestätigt auch Frau Kapuci. Sie rät jedem der an eine Karriere im Einzelhandel denkt sich mal die Bio Company anzugucken. Nicht nur wegen der Bedingungen, auch wegen des Potentials. Die junge Firma gibt es gerade mal seit acht Jahren und die Nachfrage nach Bio wächst stetig. Der unbeteiligte Interviewer bemerkt die gute Stimmung der Kollegen als er sie für Fotos überfällt, oder alle für das gemeinsame Foto zusammenrücken.

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Sicherlich hängt das angenehmere Klima mit den Preisen zusammen, bemerkt der Interviewer, denn die Bio Company ist ja kein Billigsupermarkt. So muss der Preisdruck im Handel nicht weitergegeben werden. Biologisch und regional hat eben seinen Preis und mit der Erweiterung der Eigenmarken-Linie werden viele Produkte immer leistbarer, kontert Frau Kapuci. Ob sie denn selber hier kaufe? Ja, und als Vegetarierin sei sie hier bestens aufgehoben. Ob sie das nicht sagen müsse, bei einem Interview, meint der Redakteur spitzfindig? Mitarbeiter bekommen sehr interessante Prozente, stellt sie fest. Das wäre doch ein weiterer Grund hier zu arbeiten, einigen wir uns. Aber türkische Produkte wolle, die müsse man woanders kaufen. Viele davon gibt es nur in türkischen Supermärkten, oder auf Wochenmärkten.

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Wieviel im Schnitt für die elhana Lernpaten zusammenkommt will sie nicht verraten, aber genug, damit es sich für den Verein lohnt. Für die Bio Company war es wichtig, sich in dem Viertel zu engagieren, und das Thema Bildungschancen ist gut gewählt. Schließlich dürfte man als Mitarbeiter bei dem biologischen Supermarkt kerngesunde Aufstiegschancen haben: Frau Kapuci ist keine 30 Jahre alt.

Bio Company, Hasenheide 32-38, 10967 Berlin


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