Schlank mit Schmetterlingen

Ein neuer Laden schmückt die Urbanstraße: der Schönheitssalon Kelebek & Minah Beauty. Betreiberin Melek erzählt vom Weg in die Selbstständigkeit, ihrer Kindheit in der Siedlung und warum Kelebek, Schmetterling, ihr so viel bedeutet.

Es begann alles mit Verbrennungen. Am Bauch. Eines Tages probierte Melek eine verlockende neue Methode um Fett zu verlieren, die auf Kälte basierte. Das Ergebnis waren ein paar Hundert Euro weniger und zwei Verbrennungen am Bauch. Verärgert über so viel Inkompetenz sagte sie dem Betreiber ihre Meinung, parallel dazu begann sie im Internet über die neue Technik zu recherchieren. Sie fand schnell heraus, dass die Hersteller der neuartigen Maschinen auch Ausbildungen anboten. Anstatt die Verantwortlichen um Schadenersatz zu verklagen, beschloss sie, selbst eine Ausbildung zu absolvieren und ein Geschäft zu eröffnen. Die Idee eines Schönheitssalons war geboren. Gemeinsam mit Ihrer Schwester eröffneten sie das Geschäft.

Eine andere Idee von Schönheit
Nur hat Melek eine Besonderheit, die sie von der Konkurrenz abhebt: Bei ihr dreht sich nicht alles um Aussehen und Mode. Sie legt viel Wert auf Natürlichkeit – all die Produkte sind biologisch – und Ihr Konzept ist medizinisch inspiriert. Das Hauptangebot ist Fettverlust durch Kryolipolise, eine Methode die an amerikanischen Medizinschulen entwickelt wurde. Sie wirkt radikal an Problemzonen – und das im Liegen. Wirklich entspannt liegt man aber nicht, da das Fettgewebe auf unter 5° gekühlt wird. Aber wer lieber liegt statt schwitzt… Eine weitere Besonderheit: Das Angebot nutzen zu 80%… Männer, und nicht Frauen. Bei Melek zerrinen Vorurteile wie Fettschichten, aber mehr dazu später.

Die klassischeren Angebote eines Beauty Salons wie Haarentfernung, Manü- und Pediküre, Augenbrauenzupfen und noch einiges mehr gibt es natürlich auch, sind aber nicht so stark im Vordergund. Neben biologischen Schmink-Produkten gibt es auch traditionnelle Allheilmittel aus dem Orient, wie schwarzes Kümmelöl z.Bsp., den man als Lebertran des Morgenlandes bezeichnen kann.

Die Wurzeln mit dem Westen verbinden
Dieser ungewöhnliche Mix aus Technologie und Tradition spiegelt sich auch in ihren Ansichten. Auf der einen Seite legt sie Wert auf ihre Wurzeln und auf den Islam als ihre Religion. Ein Koran-Kästchen ziert eine Ecke ihres Ladens, obwohl sie sich als nicht streng einstuft. Sie trägt kein Kopftuch z.Bsp. Ihr moderne Lesart des Islams ist sicher sehr verbreitet, leider man hört davon viel zu selten. In ihrer Religion herrscht das Gebot sich als Mensch weiterzuentwickeln und zu bilden, und das gilt für Männer wie für Frauen. Weiterentwicklung beinhaltet logischerweise Arbeit, Untätigkeit ist eine Sünde. Jede Form von Zwang ist tabu, was erzwungen wird hat keinen Wert in Gottes Augen. Sie plädiert dafür, dass Ehen erst nach fertiger Ausbildung geschlossen werden. Überhaupt sollte man vor der Ehe Erfahrungen machen dürfen, damit man sich bewusst auf diesen Bund einläßt. Das sieht auch ihr Opa so, mit dem sie viele ihrer Ansichten über Religion teilt.

Sie erinnert sich an eine Zeit als viel weniger über Religion gesprochen wurde. Das war die Zeit ihrer Kindheit in der Düttmann-Siedlung, Ende der 90er Jahre. Ihre Freunde waren Jugoslawen, Deutsche, Araber, Türken, man spielte auf dem Düttmann-Platz, traf sich im Jugendclub ein paar Hausnummern weiter, plagte die Sozialarbeiter mit Fragen, die man Eltern nicht stellen konnte. Streits wurden damals nicht so schnell handgreiflich, Menschen nicht so kategorisch und Gruppen eingeteilt, es gab mehr Zeit, Kind zu sein. Stark polarisierende Weltanschauungen, die eine sofortige Stellungnahme fordern, prasseln heutzutage auf Kinder und Jugendliche ein. Sie werden regelrecht mit z.Bsp. religiösen Botschaften bombardiert. Die aktuelle Mädchenmode, die schon sehr früh sehr weiblich ist, trägt auch ihren Teil zu einer kürzeren Kindheit bei. Sexuelle Belästigungen seien die Folge.

Sie erinnert sich wie sehr Respekt und Strenge damals zusammenhingen. Gewisse Sachen traute man sich einfach nicht den Eltern zu sagen. So wie das eine Mal, als sie einer alten Dame half, zur Kirche am Südkreuz zu finden. Erst Jahre später beichtete sie den Seitensprung zu den Katholiken ihrer Mutter. Diese meinte, Gotteshäuser sehen vielleicht unterschiedlich aus, drinnen wohnt aber derselbe. Oder wenn man verliebt war und Händchen halten das Höchste der Gefühle darstellte.

Von der Tankstelle zum Schönheitssalon
Auch wenn Sie Ihre Jugend in guter Erinnerung behält, es waren auch harte Jahre. Sie hatte früh den Wunsch autonom zu sein und zu gucken, ob sie auf eigenen Beinen stehen kann. Auch um sich gegen Ihre Familie zu behaupten, die Ihren Wunsch mit Skepsis betrachteten. Aber sie machte eine kaufmännische Ausbildung und arbeitete einige Jahre an Tankstellen im Wedding und Spandau. Interessant, gefährlich, komisch sei das gewesen. Wenn man etwas über Menschen lernen will, sind Berliner Tankstellen eine gute Adresse meint sie. Auf jeden Fall holte sie sich da genügend Selbstvertrauen, um den Schritt zur eigenen Firma zu wagen. Selbständig sein, das sei ein ganz anderes arbeiten.

Der Wunsch, zu helfen
Langsam erweitert Melek das Team um ihren Laden. Eine Spezialistin für Augenbrauen und Nägel gibt es schon, bald wird eine Ärztin wöchentlich Eigenblut-Therapien anbieten, die den Teint bemerkenswert verbessern sollen. Die Nachfrage sei schon nach den ersten Wochen so hoch, dass sie und ihre Schwester nach einem zweiten Laden suchen. Warum das so sei? In Ihrem Kulturkreis habe das Aussehen ein viel höheren Stellenwert als bei Deutschen, vermutet sie.

Was aber Melek wirklich am Herzen liegt, ist Jugendliche zur Eigenständigkeit zu verhelfen. Und sich für Flüchtlinge einsetzen. Sie kann sich vorstellen, sollte ihr Geschäft gut laufen, ein Praktikums-Programm speziell für Jugendliche der Siedlung anzubieten. Damit sie sich so frei entfalten können und so bunt werden wie Schmetterlinge, das Symboltier, das sie sich für ihren Schönheitssalon ausgesucht hat: Kelebek.

Kelebel EröffnungKelebek 1

Bilder der Eröffnungsfeier am 3. Juli 2016

Kelebek & Minah Beauty, Urbahnstrasse 49, 10967 Berlin
Öffnungszeiten: 10 bis 18 Uhr – Zur facebook Seite


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