BERICHT: Am Tag vor dem Tag der Einheit gab es im Dütti-Treff…

Roter Teppich für Senior*Innen und Mütter

Die Veranstaltung stellte fast den Tag der deutschen Einheit in den Schatten: Am 2. Oktober feierte man im Dütti-Treff gleich zwei Mal, den Weltsenior*innentag und eine Modenschau. Einheit war also schon im Spiel: Die zwei Projekte Mütter stärken und das Senior*innenprojekt bündelten ihre Kräfte, um ihren jeweiligen Meilensteinen zu würdigen.

Ein roter Teppich quer durch den Nachbarschaftstreff der Düttmann-Siedlung, das hat seltenheitswert. Aber wenn Mütter selbstgenähte Kleider in einer Modenschau präsentieren, das passiert ja auch selten. Und dass man der Generation 60+ gedenkt, wie am Welt-Senior*innentag, der 2. Oktober, ist auch selten, obwohl sie 21 % der Bevölkerung in Deutschland stellen. Aber nur knapp 14 % im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Denn der Bezirk, und besonders das Gebiet der Düttmann-Siedlung, ist einer der kinderreichsten Berlins. Womit wir wieder bei Müttern wären, denn bekanntlich stammen 100 % der Kinder von Müttern.

Grace Arthur, Leiterin des Senior*innenprojektes, eklärte zu anfang der Veranstaltung, was sie am Projekt motivierte. Ein Vorfall, der in ihrer ersten Zeit in Deutschland geschah. Sie sah einmal eine Seniorin, die sich mühte, ihren Einkauf alleine nach Hause zu tragen. Immer wieder musste sie anhalten, um nach Atem zu ringen. Arthur bot ihr Hilfe an, die Seniorin lehnte ab. Wenige Meter späte stolperte die Seniorin und Arthur eilte ihr zur Seite. Diesmal durfte sie helfen. Als der Einkauf sicher verstaut war, zückte die Seniorin einen 10 Mark Schein, aber die gebürtige Nigerianerin lehnte ab.

Der Vorfall gab Grace Arthur zu denken, denn in ihrem Herkunftsland ist es Standard, dass man alten Leuten hilft – und sehr selten wohnen sie allein. Deswegen soll das Senior*innenprojekt ein Ort der Vernetzung, der Solidarität und besonders der Freude bieten, einmal die Woche. Dafür sorgt die Musiktherapeutin Heide Sommerfeld, die Senior*innen wöchentlich beim Singen von Volksliedern begleitet – egal von welchem Volk. Und am 2. Oktober gaben die Senior*innen auch einige Lieder zum besten.

Wenn die Senior*innen nicht sangen, tat es Gérard Nganjui aus Kamerun, der mit sanften aber kraftvollen Klängen die Veranstaltung und besonders die Modenschau begleitete. Sechs Frauen hatten in der Nähwerkstatt von Cäcilia Pohl des Mütter-Stärken-Projekts teilweise zum ersten Mal nicht nur Kleider, sondern auch Taschen und Geldbörsen hergestellt. Und in der Holzwerkstatt von Karin Tienken desselben Projektes hatten weitere Mütter gelernt, mit Bohrern, Schleifmaschinen und anderen Geräten schlichte Bierzeltgarnituren in schicke Tische und gepolsterte Bänke zu verwandeln. Hier eine Auswahl der Mütter-Kreationen. Die Moden- und Möbelschau der Näh- und Holzwerkstätten war der Abschluss der ersten Phase des Mütter-Stärken-Projekts, jetzt beginnt die Phase des Coachings und Kennenlernens von Berufen und Ausbildungen. Ziel des Modellprojekts ist, Mütter der Siedlung ohne Ausbildung in eine solche zu führen.

  • Grace Arthur erzählte, warum sie das Seniorenprojekt macht: In Deutschland helfe man - aus ihrer Sicht - nicht genug den alleinstehenden Senioren. Dabei meint sie in erster Linie die Unterstützung im Alltag.

Zwischendurch stellten die Graefe-Girls, zumindest drei von vier, ihr Projekt vor: Ähnlich dem Senior*innenprojekt bieten sie den Mädchen der Siedlung einen wöchentlichen Ort, an dem sie sich gegenseitig unterstützen können, um ihre schulischen oder beruflichen Ziele zu erreichen. Gemeinsam entscheiden sie, was für Ausflüge und Workshops sie machen, derzeit ist ein Theaterworkshop in Planung. Nebenbei bemerkt, Träger der drei Projekte ist der Verein VIA in Berlin, der auch Träger des Dütti-Treffs ist. Das Geld gibt die EU, das Land Berlin und der Bezirk.

Zum Abschluss gab es eine Tanzeinlage von Schüler*innen der Charles Dickens Grundschule aus Charlottenburg. Auch sie machten auf dem roten Teppich eine gute Figur, genau wie vorher die Mütter und die Senior*innen. Fazit der Veranstaltung mit den vielen Projekten: Man sollte sozialer Arbeit öfter einen roten Teppich ausrollen, besonders wenn sie vereint, wenn auch mit anderen Ausrichtungen und Zielgruppen, an einem Ziel arbeiten: Die Herausforderungen der Düttmann-Siedlung in Angriff zu nehmen.


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