BERICHT: Der Quartiersrat tagte am 22.2.2018

Talk of the Kiez

Einmal im Monat treffen sich die Quartiersräte, eines der Instrumente zur Bewohner*innenbeteiligung im Stadtplaner*innen-Arsenal des Programms Soziale Stadt. Besprochen wird alles was die Siedlung betrifft – von nächtlichen Plaudergruppen über Baumaßnahmen bis hin zu Wahl der QR-Sprecher. Bericht einer Tagung zu später Stunde.

Ich komme zu spät, was sonst nicht meine Gewohnheit ist. Um den Tisch im Dütti-Treff sitzen eine gesunde Mischung aus Bewohner*innen und Partner*innen in verschiedenen Funktionen der Siedlung. Beim ersten Thema, in das ich hineinplatze, geht es auch um eine Plauderrunde, allerdings eine völlig inoffizielle. An den zwei mit Schranken versehenen Eingängen zur Siedlung sammeln sich abends sehr junge, einfach nur junge und weniger junge Männer und hängen ab. Auf gut Deutsch: sie chillen. In der Disziplin des Plauderns scheinen sie Marathonläufer zu sein, da sie oft bis in die frühen Morgenstunden reden. Es geht das Gerücht um, Männer seien prinzipiell Maulfaul, diese hier offenbar nicht. Die unmittelbaren Nachbar*innen der Siedlungs-Eingänge würden sich jedoch über etwas wortkargere Männer freuen, da sie oft beim Schlafen gehindert oder gestört werden. Je wärmer die Temperaturen, desto akuter das Problem. Wenn man die Plaudertrauben auf die Lärmentwicklung anspricht werden sie im besten Fall etwas leiser, ein paar Minuten zumindest, im schlimmsten Fall stößt man auf Unverständnis. Gelinde gesagt.

Was tun gegen nächtliche Plauderrunden?

Die Bewohner*innen-Vertreter meinen, die Plauderrunde bei der Polizei zu melden brächte nichts. Andere fürchten eventuelle Repressalien – und sei es nur ein erschwerter Durchgang durch die Runde, sollte ihre Anzeige auf sie zurückzuführen sein. Einige Bewohnerinnen bemerken, dass das Sicherheitsgefühl in der Siedlung in den letzten zwei Jahren abgenommen hat. Es huschten öfters dunkle Gestalten durch das Gebiet, die vielen schlecht bis gar nicht beleuchtetet Ecken tragen auch dazu bei. Hier könnte die Hausverwaltung vabene ein neues Lichtkonzept erarbeiten, meint jemand in der QR-Runde.

Die Strategien im Umgang mit den Plauderrunden variieren. Einige Bewohner grüßen freundlich um schlechte Stimmungen gar nicht erst aufkommen zu lassen, Angriff ist die beste Verteidigung. Andere fühlen sich hingegen bedroht und berichten von Jugendlichen, die besonders keck werden und auch gerne mal gegen Fahrräder treten. Oder einem den Weg versperren. Mit den Jugendlichen wirkt noch eine anderer Trick, nämlich der Satz: «Ich kenne Deine Eltern und sage denen, wie Du Dich hier verhältst!» Man erörtert eine Reihe anderer Möglichkeiten die Frage in Angriff zu nehmen und einigt sich auf eine kurze Rauchpause.

Wahl der Sprecher und state of the Siedlung

Die Sitzung geht weiter. Nach den Plauderrunden werden noch für das Bewohnergremium Sprecher*innen gewählt. Für diese Rolle auserkoren wurden Valentina Sajin und Mekan Günel, wie die Fotos eindeutig belegen.

Sie sind jetzt Sprecherin und Sprecher vom Quartiersrat: Valentina Sajin und Mekan Günel. Mit auf den Weg bekamen sie Osterglocken.

Zu guter Letzt wird vergleichweise im Eiltempo ein Überblick über die Lage der Siedlung geschaffen. Die Kita wird eine neue Zufahrtsrampe bekommen und muss dafür auf einen Teil seines Gartens verzichten. Das Gesundheitprojekt läuft gut an, es werden einmal ein Schwimmlehrer gesucht, sowie Fährräder, da die teilnehmenden Frauen Schwimmen und Fahrradfahren lernen wollen. Das Unterfangen – Bewusstsein für Gesundheit zu heben – ist übrigens ein Pilotprojekt und wird Deutschlandweit nur 14 Mal ausgeführt, in Berlin nur in der Düttmann-Siedlung. Die Umbauten des Jugendklub Drehpunkts haben begonnen, ein Kran wird bald auf dem Bolzplatz stehen, die Jugendarbeit muss in Containern ausweichen, die gerade mal 80 Quadratmeter ausmachen. Es wird im Sommer einen Austausch mit einem Jugendclub in Marseille, Frankreich, geben, und das Graefe-Forum, eine trilaterale Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen Nachbarschaftshaus, Nachbarschaftstreff und die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus, wurde ins leben gerufen um ein Bildungskonzept für das Gebiet zu erarbeiten. Der nächste Quartiersrat tagt am 22.3.2018.

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