FRÜHER IM VIERTEL: Das Ballhaus Resi an der Hasenheide

Wasserspiele, von Kreuzberg bis Las Vegas

Die Hasenheide war nicht immer der Ort fantasieloser Trutzburgen der deutschen Rentenversicherung. Bis in die 70er Jahre gab es dort u.a. den weltberühmten Nachtklub Resi. Tischtelefone förderten das Kennenlernen innerhalb des Lokals, für internationale Bekanntheit sorgte eine eigens fürs Resi entwickelte Erfindung: leuchtende Wasserspiele. Die Firma die daraus in den USA entstand ist immernoch in Familienhand. In der Broschüre der Kiezbewohnerin Elvira Surrmann, „Bilder & Geschichtenn aus Kreuzberg, Alles ist Leben und Tanz“, schildern ehemalige Besucher das einmalige Resi.

Ecke Graefestraße und Hasenheide stand bis Ende der 70er Jahre ein weltberühmter Nachtklub, das Resi, kurz für Residenz-Ballhaus. „Jeder einmal in Berlin, jeder einmal im Resi“ las man auf den Eintrittskarten. Sogar aus New York reisten Nachtklub-Besitzer für eine Lokalaugenschein an. Warum die weite Reise aus der größten Metropole ins damals verschlafene West-Berlin? Das Resi konnte mit einer Sensation aufwarten, die kein anderer Nachklub besaß: Wasserspiele. Oder Fontänen, steuerbar im Rythmus der Musik und mit verschiedenen Farben beleuchtbar.

Das Publikum war begeistert, die Amerikaner auch, Wasserspiele wollten sie unbedingt haben. Haustechniker Otto Przystawik hatte speziell für das Resi die Wasserspiele erfunden. Mit seinem Kompagnon Paul Baatz betrieben sie schon vor dem Krieg ein Ballhaus in Mitte, die neue Location an der Hasenheide war ein Neuanfang. Leider fehlte dem Erfinder das Geld, ein Patent anzumelden. Doch mit dem Auftrag der Amerikaner machte es möglich. Otto Przystawik gründete die Firma „Fabrikation und Verleih tanzender Fontänen“ und mietete eine Fabriketage in der Urbanstraße. Wenige Monate später gab es auch im legendären Veranstaltungsort in New York, dem Radio City Hall, leuchtende Wasserspiele aus Kreuzberg.

Eine andere Rafinesse waren die Tischtelefone, damals Standard für Nachtlokale. Große rote Säulen, mit gut sichtbaren Nummern, erlaubten Telefonate von Tisch zu Tisch, um das anzubandeln zu erleichtern. Der Klassiker unter den Anmachsprüchen, die Frage nach der Lust auf einen Kaffee, fiel natürlich weg. Aber dem Titel-Foto nach zu urteilen fiel den Leuten auch damals genug ein, um eine Konversation zu beginnen. Ob sich seit damals viel geändert hat wird man nie wissen, die Telefone des Resis hatten keine Aufnahmegeräte.

Przystawiks Sohn ließ sich in den USA nieder, in Florida, um den Vertrieb der Fontänen seines Vaters voranzutreiben. Die Firma Liquid Fireworks gibt es immernoch und wird vom Enkel Michael geführt. Bei einem kurzen Telefongespräch bestand er darauf, Deutsch zu sprechen. Ihre Kunden sind Firmen wie Walt Disney oder Universal, für die sie spektakuläre Anlagen. Wie diese aussehen können zeigt das Video eines Wasserspiels vor einem Hotel in Las Vegas, das Bellagio. Ob diese Fontäne von Liquid Fireworks stammt stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Elvira Surrmann hat in ihrer Broschüre „Bilder & Geschichten aus Kreuzberg, Alles Leben ist Tanz“ mit vielen Interviews mit Besuchern das Resi geschildert. Entstanden ist ein spannender und absolut lesesnwerter Einblick in die Welt des Feierns im Nachkriegsberlin. Auch wenn Berlin weder Flughagen noch Haushalt können, wieder einmal ist bewiesen: im Feiern war die Stadt immer schon Weltspitze.

 


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